Pussy Riot Nachahmer stören Gottesdienst im Kölner Dom

Sie wollten Solidarität mit den Pussy-Riot-Musikerinnen bekunden: Drei Nachahmer der russischen Punkband haben im Kölner Dom Protestsongs gesungen und Plakate hochgehalten. Sie erhielten eine Anzeige.
Protest vor dem Kölner Dom: Drei Demonstranten störten Gottesdienst

Protest vor dem Kölner Dom: Drei Demonstranten störten Gottesdienst

Foto: dapd

Köln - Drei Nachahmer der russischen Frauen-Punkband Pussy Riot haben am Sonntag einen Gottesdienst im Kölner Dom gestört. Sie wurden von Kirchenordnungskräften aus der Kathedrale gebracht, wie die Polizei am Abend mitteilte. Die Frau (20) sowie zwei Männer (23 und 35) hätten am Morgen Lieder gesungen und Plakate hochgehalten. Sie erhielten eine Anzeige wegen Störung der Religionsausübung, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsrecht.

Nach eigener Aussage wollten die drei Aktivisten Solidarität mit den in Russland zu Lagerhaft verurteilten drei Punk-Musikerinnen bekunden. Nach Aussage der Polizei leisteten sie keinen Widerstand, als sie aus der Kirche geführt wurden. Dompropst Norbert Feldhoff hatte bereits zu Beginn des Prozesses in Russland angekündigt, dass ein solcher Auftritt auch im Kölner Dom nicht toleriert würde: "Die Würde des Doms zwingt uns, dagegen vorzugehen."

Die russische Band Pussy Riot hatte im Februar in einer Kirche ein "Punk-Gebet" aufgeführt. Darin riefen sie die Gottesmutter an, Präsident Wladimir Putin zu verjagen. Am Freitag wurden die drei Russinnen zu jeweils zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Es besteht aber die Aussicht auf eine Abmilderung der Strafe. Russische Medien und Beobachter äußerten am Samstag die Erwartung, dass die Strafe von jeweils zwei Jahren Lagerhaft für die drei Frauen in einem Berufungsverfahren reduziert werden dürfte.

Nach der Berufung durch die Verteidiger werde das zuständige Moskauer Gericht vermutlich die zwei Jahre Lagerhaft in ein Jahr verwandeln und "diese Idiotinnen freilassen, damit sie ihre Kinder und Angehörigen wiedersehen können", schrieb die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" am Samstag.

Auch Denis Dwornikow von der zivilen Kammer, in der Bürger und Nichtregierungsorganisationen russische Behörden beraten, sagte eine Abmilderung der Strafen voraus. Vermutlich würden die Verurteilten schon einen Monat nach dem Berufungsprozess in die Freiheit entlassen, sagte Dwornikow der Nachrichtenagentur Interfax.

cte/dpa/AFP
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