Quälender Eishauch Russland in der Kältestarre

Die arktische Kälte in Russland hat weitere Todesopfer gefordert. In der Nacht sanken die Temperaturen auf minus 29 Grad. Jeder Aufenthalt im Freien wird zur Qual, und der härteste Winter seit fast dreißig Jahren ist noch lange nicht vorbei - im Gegenteil.

Moskau - Ein Ende des eisigen Wetters ist nicht in Sicht: Meteorologen rechnen damit, dass der strenge Frost mit Temperaturen um 20 Grad minus und darunter bis mindestens Ende des Monats anhält. Moskau erlebt derzeit den härtesten Winter seit 27 Jahren. Nach Angaben der Meteorologen sollten die Temperaturen zum Wochenende zwar leicht ansteigen. Aber schon für die kommende Woche erwarten sie eine neue Kältefront.

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Extremwinter: Russen trotzen der Kälte

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Bei der bitteren Kälte sind in der Nacht sieben Menschen in der russischen Hauptstadt erfroren. 22 weitere Menschen wurden mit Erfrierungen in Krankenhäuser eingeliefert, berichtet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die städtischen Gesundheitsbehörden. Allein in Moskau sind bislang 123 Todesopfer zu beklagen. Die Moskauer Behörden haben nun umfangreiche Vorsorgemaßnahmen getroffen, um die Obdachlosen vor dem Kältetod zu schützen. Polizisten haben die ausdrückliche Anweisung, die Menschen nicht wie sonst üblich aus den U-Bahn-Stationen zu vertreiben. Wegen des heftigen Windes wird der Gang ins Freien für jeden zur Qual.

In der Stadt Tomilino mussten die Bewohner Dutzender Häuser wegen technischer Probleme in einem Kraftwerk ohne Heizung ausharren. Für einige Einwohner fiel über Nacht auch noch der Strom aus. Am Mittag normalisierte sich die Lage. Der Stromverbrauch in Russland kletterte in dieser Woche auf Rekordhöhen.

Teile der Heizanlagen und des Elektrizitätsnetzes stammen noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. "Das Moskauer Energiesystem hat noch niemals eine solche Last aushalten müssen", sagte Anatoli Tschubais, Chef des staatlichen Energieversorgers UES. Die Gefahr von Stromausfällen wächst. Nach Angaben einer UES-Sprecherin war das Netz im ganzen Land gestern so stark ausgelastet wie nie zuvor.

Das öffentliche Verkehrssystem ist in weiten Teilen Moskaus überlastet oder zusammengebrochen. Straßenbahnen fahren nicht mehr, Busse bleiben stehen, und auch viele Privatwagen lassen sich bei anhaltend extremer Kälte nicht starten. In der U-Bahn drängen sich deswegen diejenigen, die keine andere Möglichkeit haben, sich fortzubewegen.

In der lettischen Hauptstadt Riga wurde am Morgen mit minus 27 Grad die niedrigste Temperatur seit 100 Jahren gemessen. Auch hier hat die Regierung den Bezirksämtern aufgetragen, öffentliche Gebäude zugänglich zu machen, damit Obdachlose einen warmen Platz zum Übernachten haben. An der polnischen Ostgrenze fielen die Temperaturen in der Nacht auf minus 30 Grad. Seit Beginn des Winters sind in Polen nach Angaben der Polizei bislang 122 Menschen der Kälte zum Opfer gefallen. Diese Zahl sei aber nicht außergewöhnlich hoch.

Arktische Temperaturen sagen Meteorologen auch für den Osten Deutschlands voraus. In der Nacht zu Montag könne das Quecksilber in Odernähe auf bis zu minus 20 Grad fallen. Im Westen wird es nicht ganz so kalt, mit bis zu minus zehn Grad aber dennoch frostig.

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