»Park and Ride« in London Mehrere Staatsoberhäupter wollen offenbar nicht mit Bus zur Trauerfeier für die Queen fahren

Hochrangige Gäste sollen mit Bussen zum Queen-Abschied gefahren werden. Nun regt sich laut einem Medienbericht Widerstand. Neuseelands Premierministerin kann die Aufregung nicht verstehen.
Porträt der Queen an einer Haltestelle in London: »Erhebliche Ängste«

Porträt der Queen an einer Haltestelle in London: »Erhebliche Ängste«

Foto: John Sibley / REUTERS

Die Oberhäupter mehrerer Regierungen wehren sich offenbar dagegen, per Bus zur Trauerfeier für die Queen gebracht zu werden. Das Portal »Politico«  berichtet, Diplomaten versuchten, Ausnahmen vom Park-and-Ride-System zu erwirken.

Die britische Regierung plant, dass die angereisten Staatsgäste ihre Fahrzeuge an einem geheimen Treffpunkt im Westen Londons stehen lassen und dort in Reisebusse steigen sollen. Zu den Gästen zählen die Könige von Belgien, Spanien, Schweden und den Niederlanden, aber auch Staatschefs und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Der Kaiser fährt Bus

Sie alle würden mit Luxusbussen zur Westminster Abbey gefahren. Es wird erwartet, dass auch der japanische Kaiser Naruhito und seine Ehefrau Kaiserin Masako, deren Besuch als besondere Ehre gilt, in einen Bus einsteigen.

Allerdings gibt es offenbar Ausnahmen, wie die »Times«  berichtet hatte. US-Präsident Joe Biden fährt offenbar wie üblich in seiner gepanzerten Limousine vor, die als »The Beast« bekannt ist. Für den israelischen Präsidenten Izchak Herzog werde eine ähnliche Ausnahme gemacht, berichtete die BBC .

»Politico« schreibt, fünf Diplomaten versuchten, nun ebenfalls Ausnahmen zu erreichen. Darunter seien mehrere Mitglieder der G7, also der großen westlichen Industrienationen.

Sie führten demnach als Grund für die Ausnahmen das Alter des Teilnehmers an oder Sicherheitsgründe. Einer der Diplomaten erklärte demnach, unter den Regierenden kursierten »erhebliche Ängste« über die mögliche Identität ihrer Mitreisenden. Auch die Kriterien für die Sitzordnung in den Fahrzeugen seien nicht klar.

Ein anonymer Botschafter eines europäischen Landes sagte demnach, es gebe Staatsoberhäupter, die den Plan gar als eine Herausforderung für ihre »Männlichkeit« sähen. Was Busfahren mit Männlichkeit zu tun haben soll, erschließt sich nicht unmittelbar. Manche der hohen Gäste seien es nicht gewohnt, heißt es in dem Bericht, in Reisebussen unterwegs zu sein.

Eine weibliche Regierungschefin jedenfalls hat offenbar kein Problem mit dem Arrangement. »Es ergibt Sinn«, sagte Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern im BBC-Interview. »Ich kann die Aufregung darum gar nicht verstehen.« Auch bei anderen Großveranstaltungen sei sie schon Bus gefahren.

Neuseelands Regierungschefin Ardern mit König Charles: »Es ergibt Sinn«

Neuseelands Regierungschefin Ardern mit König Charles: »Es ergibt Sinn«

Foto: Stefan Rousseau / ddp/EMPICS/Stefan Rousseau

Die Organisatoren jedenfalls verteidigen die Regelung. »Es geht nicht um Fahrzeuge. Es geht darum sicherzustellen, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Platz sind«, zitierte die BBC einen britischen Regierungsbeamten. »Rechnen Sie nach, sie können einfach nicht in separaten Autos kommen.« Die Regierung fürchte andernfalls einen Verkehrsinfarkt, berichtete die »Times«.

Am Montagmittag findet in der Westminster Abbey die Trauerfeier mit mehr als 2000 geladenen Gästen statt. Viele Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt kamen bereits am Wochenende nach London. Darunter US-Präsident Joe Biden und der kanadische Premierminister Justin Trudeau.

jpz/dpa
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