Die Queen in Deutschland Größte Britanniens

Großbritannien ringt mit dem Verlust von Einfluss in der Welt, umso größer ist die Bedeutung der Queen: Elizabeth II. bleibt die Repräsentantin des unverwüstlichen, weltoffenen Königreichs. Umso mehr schaudert es die Briten beim Blick in die Zukunft.
Queen Elizabeth II.: Monarchie als Klebstoff

Queen Elizabeth II.: Monarchie als Klebstoff

Foto: TOBY MELVILLE/ REUTERS

Es ist nicht schwierig, die Queen und ihre Familie zu stalken. Ein Teil des Kensington Palastes ist öffentlich zugänglich, in dem William und Kate mit ihren Kindern leben, man kann sich in Schloss Windsor herumtreiben, auf Gut Sandringham oder in Balmoral in Schottland. Die 20, 30 Pfund sind gut investiert, nicht selten stolpert man über den einen oder anderen Bewohner. Vor einigen Tagen steckten Charles und Camilla ihre Köpfe in die Queen's Gallery im Buckingham Palast, man hätte nur den Arm ausstrecken müssen, um den künftigen König an seinem schrankförmigen Jackett zu zupfen.

Die Monarchie öffnet sich dem Volk, zumindest an der Oberfläche. Die Königin twittert jetzt, Prinz Charles chattet mit Jugendlichen, und Herzogin Kate veröffentlicht die Fotos von ihren Kindern gleich selbst, damit die Paparazzi nicht so viel Arbeit haben. Hinter der neuen Transparenz steckt jedoch Angst - die Angst vor der Leere, vor der Bedeutungslosigkeit.

Die kollektive Furcht vor dem Vakuum

Queen Elizabeth II. ist zwar so beliebt wie eh und je, Abdankung kommt in ihrem Wortschatz nicht vor; aber sie ist 89 und muss viele Reisen inzwischen ihren Kindern und Enkeln überlassen. Die Spuren des Alters an der Spitze des Staates treten immer deutlicher hervor, ihr Mann Philip sieht mittlerweile aus wie seine eigene Wachsfigur. Die Monarchie muss sich verjüngen, wenn sie überleben will, das ist das Problem.

Denn Prinz Charles ist bei seinen Untertanen ähnlich unpopulär wie seine Frau Camilla, die Herzogin von Cornwall. Er wird viel Arbeit in sein Amt stecken müssen, um auch nur in die Umlaufbahn der Beliebtheit seiner Mutter vorzustoßen. Er ist das Vakuum, vor dem sich viele fürchten. Schon jetzt ist Charles ein unglücklicher Thronfolger, und das zu einer Zeit, in der die Monarchie so wichtig ist für das Land wie lange nicht mehr.

Elizabeth II. verkörpert wie keine andere Figur der Gegenwart das unverwüstliche, weltoffene, selbstironische Großbritannien. Es gibt zwar eine Menge fantastischer Frauen auf der Insel, die aufregender sind: die Detox-Queen Kate Moss zum Beispiel, Tilda Swinton, Emma Watson, Hilary Mantel, Nigella Lawson und andere. Aber nur die Queen vereint so verschiedene Teile des Volkes hinter sich.

Die Queen verbindet

Sie hält ihr Land zusammen, wo es auseinanderzubrechen droht, sie versöhnt die Klassen und verbindet die Arbeiter mit der Oberschicht. Im antagonistischen Parteiengefüge des Königreichs schafft sie Stabilität wie niemand sonst. Die Schotten lieben sie, für viele war die Queen der entscheidende Grund, beim Unabhängigkeitsreferendum im vergangenen Herbst gegen die Sezession zu stimmen.

Außerdem steht Elizabeth für die Bindung zu Europa. Sie ist verwandt mit den meisten Adelshäusern auf dem Kontinent, hat enge familiäre Beziehungen zu Deutschland und kennt die Untiefen des Isolationismus. Auch deshalb ist die Angst so groß vor dem Vakuum, das nach ihr kommt. Im Gegensatz zu ihren Kindern und Enkeln hat sie den Krieg miterlebt, all das schwingt mit, wenn sie nach Deutschland fliegt.

Es ist ein guter Augenblick für die Reise. David Cameron, ihr zwölfter Premierminister, macht sich derzeit keine Freunde auf dem Kontinent mit seinem Wunsch nach Sonderbehandlung. Das Land kämpft gegen einen selten erlebten Einflussverlust, in der Europapolitik, in der Wirtschaft, in der Diplomatie, im Fußball. Die Queen kann diese Probleme nicht allein lösen, aber sie zeigt, dass Großbritannien mehr ist als ein ehemaliges Empire, das seine Rolle noch nicht gefunden hat.

Man kann die Monarchie aufgeplustert finden, banal oder gefährlich. Als Klebstoff für das Königreich ist sie unersetzbar.

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