Denkmal in London Mohnblüten für Bomberpiloten

Die Queen hat in London ein Denkmal für die getöteten britischen Bomberpiloten enthüllt. Im Zweiten Weltkrieg kamen mehr als 55.000 Crewmitglieder der Royal Air Force ums Leben. Wegen der vielen zivilen Opfer der Luftangriffe waren sie bisher nicht geehrt worden.

AFP

London - Auf diese Ehrung mussten die Hinterbliebenen 67 Jahre lang warten: In Gedenken an mehr als 55.000 tote Crewmitglieder britischer Weltkriegs-Bomber hat Queen Elizabeth II. ein Denkmal in der Nähe des Buckingham Palastes enthüllt. Das Monument zeigt sieben Soldaten als überlebensgroße Bronzestatuen. Ein alter Lancaster-Bomber warf zur Enthüllung 82.000 Mohnblüten ab.

An den Feierlichkeiten nahmen neben Hunderten Veteranen auch Thronfolger Prinz Charles und die anderen drei Kinder der Queen teil, Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward. Der Bau des Denkmals wurde maßgeblich vom kürzlich verstorbenen Bee-Gees-Sänger Robin Gibb und von dem konservativen Politiker Lord Michael Ashcroft initiiert.

Kritiker bemängeln, das Denkmal gehe zu sehr auf die getöteten britischen Piloten und zu wenig auf die zivilen Opfer des britisch-deutschen Bombenkrieges ein.

In Großbritannien kamen während des Zweiten Weltkriegs 42.000 Zivilisten durch deutsche Bomben ums Leben. In Deutschland starben durch britische und amerikanische Flächenbombardements bis 1945 mehr als eine halbe Million Menschen.

Bisher waren die britischen Bomberpiloten von den üblichen Ehrungen nach dem Krieg ausgenommen worden - aufgrund der vielen Opfer in der Zivilbevölkerung. In der britischen Air Force wurde das über Jahrzehnte als Ungerechtigkeit empfunden.

In Dresden hatten britische Luftangriffe im Februar 1945 einen Flächenbrand ausgelöst. Dort herrscht nach anfänglicher Skepsis in Bezug auf das Denkmal mittlerweile versöhnliche Stimmung. Die Interessengemeinschaft "13. Februar 1945", in der sich Überlebende der Luftangriffe und jüngere Dresdner engagieren, versteht das Londoner Memorial als Chance zum Dialog.

"Jedes Land und jede Stadt hat seine eigene Gedenkkultur", sagte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Es sei zumindest in einer Inschrift über dem Monument auch das Gedenken an alle Opfer des Bombenkrieges festgehalten worden. Damit seien deutschen Bedenken gegen das Denkmal ernst genommen worden.

hut/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.