Fall der nach Paraguay gebrachten Mädchen »Querdenker«-Paar will sich kurzfristig stellen

Das »Querdenker«-Paar, das zwei Kinder aus früheren Beziehungen heimlich nach Paraguay gebracht hat, steht nach SPIEGEL-Informationen kurz davor, sich zu stellen. Mann und Frau haben Kontakt zu Anwälten aufgenommen.
Das in Paraguay veröffentlichte Fahndungsplakat.

Das in Paraguay veröffentlichte Fahndungsplakat.

Foto: antisecuestro.gov

Das Drama um die heimlich nach Paraguay gebrachten Mädchen scheint sich einem Ende zu nähern. Die Mädchen, Lara aus München und Clara aus Essen, waren vor über einem halben Jahr verschwunden. Andreas Egler und seine Ehefrau Anna, beide sind dem »Querdenker«-Milieu zuzuordnen, hatten die Mädchen, die jeweils aus früheren Beziehungen stammten, gegen den Willen und ohne das Wissen der anderen Elternteile nach Südamerika gebracht. Als Grund gaben sie an, die Kinder vor Maskenpflicht und Impfungen »schützen« zu wollen.

Am 28. Mai machte der SPIEGEL den Fall öffentlich. Wenige Tage später begann in Paraguay eine Öffentlichkeitsfahndung der Behörden nach dem Paar und den Kindern, von denen es seit ihrem Verschwinden kein Lebenszeichen gegeben hatte. Auf die öffentliche Fahndung und den entsprechenden Druck reagierte das Ehepaar Egler mit einem Video, nachdem sein Wagen im Grenzgebiet von Paraguay und Argentinien verlassen aufgefunden worden war. In dem Video forderte das Paar die Behörden auf, die Suche einzustellen.

Die Anwälte von Anne Reiniger und Filip Blank, denen die Kinder entrissen worden waren, riefen nach dem Auftauchen des Videos zu einem Dialog zugunsten der zehn und elf Jahre alten Kinder auf. »Dieser Dialog besteht jetzt«, sagt Rechtsanwalt Ingo Bott aus Düsseldorf. Am späten Freitagabend deutscher Zeit hatten sich die Eglers, nach denen mit einem internationalen Festnahmeersuchen gefahndet wird, zunächst an die Anwälte von Reiniger und Blank gewandt. Die Kommunikation lief über den verschlüsselten Messengerdienst Threema. »Sie hatten nach meinem Eindruck klar verstanden, dass eine Fortsetzung der Fluchtsituation keine Option mehr darstellt«, so Bott weiter, der sich aktuell in der paraguayischen Hauptstadt Asunción aufhält.

Kontakt gab es zwischen den Anwälten, den Elternteilen und den Kindern; die Gespräche sollen teils mehrere Stunden gedauert haben. »Allen Beteiligten ist daran gelegen, eine konstruktive und gute Lösung zu finden, die für die Kinder ein Leben auf der Flucht kurzfristig beendet«, so Anwalt Bott am Montagabend. Seitdem werde daran gearbeitet, einen »sinnvollen Weg zurück nach Deutschland zu finden, wo die Kinder gehört und behördliche Entscheidungen getroffen werden«. Übersetzt heißt das, dass das Ehepaar sich gemeinsam mit den Kindern stellt und wenn möglich nach Deutschland ausreist. Aktuell laufen Gespräche dazu in der Deutschen Botschaft, involviert ist dabei auch die paraguayische Staatsanwaltschaft.

Kindesentziehung: Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Auf Kindesentziehung stehen bis zu fünf Jahre Haft. Filip Blank sagte dazu vor einigen Tagen dem SPIEGEL, dass es ihm um Strafverfolgung nicht gehen würde: »Natürlich wäre es schöner, sich solche Fragen gar nicht erst stellen zu müssen. Am Ende ist die Strafverfolgung aber nur die zweitbeste Idee, der Plan B.« Der Plan A müsse sein, seine Tochter gemeinsam mit ihrer Mutter aus dem Verschwörerumfeld herauszuholen und »eine gemeinsame Lösung zu finden«.

Gerechnet wird damit, dass sich die Gesuchten innerhalb der nächsten Stunden oder spätestens Tage stellen. Juristisch abgeschlossen ist der Fall damit nicht.

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