Rätsel um die "Arctic Sea" Ende einer mysteriösen Geisterfahrt

Die Suche ist beendet, doch viele Fragen sind noch offen: Vor drei Wochen verschwand der Frachter "Arctic Sea" mit 15 Seeleuten an Bord unter ungeklärten Umständen. Jetzt hat ein russisches Kriegsschiff den Frachter rund 300 Seemeilen vor den Kapverden aufgespürt - was hatte er tatsächlich geladen?

Moskau - Der Direktor der Reederei Solchart Management Ltd., Viktor Matwejew, bestätigte am Montag das glückliche Ende der mysteriösen Irrfahrt. "Wir sind froh, dass die vollständige Besatzung in Sicherheit ist", sagte er in Helsinki.

Zuvor hatte der russische Verteidigungsminister Anatolij Serdjukow erklärt, dass die russische Crew um 1 Uhr nachts Moskauer Zeit rund 300 Seemeilen vor den Kapverdischen Inseln aufgespürt und auf ein russisches Kriegsschiff gebracht worden sei. Allen 15 Seeleuten gehe es den Umständen entsprechend gut, hieß es.

"Arctic Sea": Was hatte der Frachter tatsächlich geladen?

"Arctic Sea": Was hatte der Frachter tatsächlich geladen?

Foto: STR/ REUTERS

"In den kommenden Stunden werden wir Genaueres darüber erfahren, was geschah, warum der Kontakt abbrach und warum sie die Route geändert haben", erklärte Serdjukow. Tatsächlich sind zahlreiche Fragen zu dem mysteriösen Verschwinden des Frachters bisher unbeantwortet.

Auf dem Weg von Finnland nach Algerien war das unter maltesischer Flagge fahrende Schiff verschwunden. Am 28. Juli funkte die britische Küstenwache die durch die Straße von Dover fahrende "Arctic Sea" an - dann brach der Kontakt ab.

Vier Tage zuvor sollen die 15 Russen an Bord laut Zeitungsberichten Opfer eines Überfalls geworden sein. Demnach kaperten acht bewaffnete Männer, die sich als Drogenfahnder ausgaben, den Frachter nahe der schwedischen Ostseeinseln Gotland und Öland. In einem Schlauchboot sollen sich die mutmaßlichen Piraten der "Arctic Sea" genähert und die Crew gefangen genommen haben. Zwölf Stunden später verschwanden sie unerkannt und offenbar ohne Beute.

Am 30. Juli soll der 98 Meter lange Frachter vor der nordfranzösischen Küste geortet worden sein. Am 14. August soll es laut einem Sprecher der EU-Kommission zu einem weiteren Überfall auf das Schiff gekommen sein - diesmal vor der Küste Portugals. Die Behörden in Lissabon allerdings bestreiten, dass sich die "Arctic Sea" in jüngster Zeit überhaupt in portugiesischen Gewässern aufgehalten hat.

"Die Behörden wissen längst, wo das Schiff ist"

Zunächst war vermutet worden, der Frachter sei von Piraten gekapert worden. Aber auch über einen möglichen Waffen- oder Drogentransport unter Mafia-Beteiligung war spekuliert worden. Die britische Boulevardzeitung "Daily Mail" berichtete, an Bord befänden sich radioaktive Substanzen. Der Leiter der finnischen Behörde für Strahlensicherheit, Jukka Laaksonen, hatte am Montag laut France Press erklärt, es befänden sich keine Atomwaffen an Bord des Frachters.

Ein Militärsprecher in Brüssel erklärte bereits am vergangenen Donnerstag, das Schiff sei nicht gesunken, seine genaue Position vielmehr bekannt. Man veröffentliche diese aber aus taktischen Gründen nicht. Der Vizevorsitzende der Russischen Seefahrergewerkschaft, Sergej Portenko, sagte der Boulevardzeitung "Moskovskj Komsomolez": "Ich gehe davon aus, dass die Behörden längst wissen, wo das Schiff ist." Portenko vermutet, man wolle vertuschen, dass die "Arctic Sea" Waffen für Afrika an Bord hatte.

Am Wochenende hatte die finnische Polizei mitgeteilt, die Reederei habe eine Lösegeldforderung erhalten. Es handele sich um "einen größeren Geldbetrag". Nach vorliegenden Informationen hatte der Frachter Holz der finnischen Firma Rets Timber im Wert von 1,3 Millionen Euro geladen.

Für Verwirrung sorgte am Samstag ein angebliches Signal der "Arctic Sea": Auf der Web-Seite der russischen Marine hieß es, man habe etwa eine Stunde lang ein Signal des Frachters aus dem Golf von Biskaya empfangen. Möglicherweise befinde sich das Gerät des Automatischen Identifikationssystems (AIS) aber nicht mehr an Bord.

Die französische Marine dementierte die russischen Angaben und erklärte, das Signal sei von russischen Kriegsschiffen auf dem Weg vom Mittelmeer in die Ostsee gekommen.

ala/Reuters/AP
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