»Killing in the Name« statt Popmusik Ein Radiosender spielt stundenlang denselben Song – und niemand weiß, warum

Eine Radiostation in Vancouver spielt Hunderte Male einen Rocksong – immer wieder, ohne Erläuterung. Was soll das? Der Versuch von Reportern, die Sache aufzuklären, verlief nicht sonderlich erfolgreich.
Rage Against The Machine (2008 in Denver): Eher keine Popmusik

Rage Against The Machine (2008 in Denver): Eher keine Popmusik

Foto: Jeff Chiu/ AP

Der Mittwoch war ein seltsamer Tag für die Hörerinnen und Hörer von Kiss Radio 104.9 FM. Der Sender im kanadischen Vancouver, auf dem normalerweise Pop- und Softrock läuft, spielte plötzlich einen Song der Rockband Rage Against the Machine: »Killing in the Name« heißt das Stück. Kein Softrock, und ganz bestimmt kein Pop.

Was noch seltsamer war: Der Sender spielte den Song noch einmal. Und noch einmal. Stundenlang ging das so.

Bis zum Mittag, so berichtet es nun unter anderem der »Rolling Stone« , lief »Killing in the Name« Hunderte Male über den Äther, ohne weitere Erklärung und sehr zur Verwunderung der Fangemeinde des Senders. Einige äußerten die Vermutung, es handele sich um eine Art PR-Trick, um einen Wechsel der Musikauswahl des Senders hin zu mehr Alternative Rock anzukündigen. Andere mutmaßten, einige geschasste Angestellte würden so gegen ihre Entlassung protestieren.

Für diese These könnte sprechen, dass der Song unter anderem die Zeile »Fuck you, I won’t do what you tell me!« enthält. Tags zuvor hatten zwei Moderatoren auf Facebook mitgeteilt, dass sie nach fünf Jahren im Sender gefeuert worden seien: »Kiss verändert sich, und leider wurde uns mitgeteilt, dass wir nicht Teil dieses neuen Kapitels sein werden. Obwohl dies mit gemischten Gefühlen einhergeht, möchten wir ein überwältigendes Gefühl zum Ausdruck bringen: Dankbarkeit.«

»Ich bin nur ein Typ in einer Kabine, der immer wieder Rage spielen lässt.«

Gibt es vielleicht doch noch eine andere Erklärung für die stundenlange Dauerschleife? Der 30 Jahre alte Song war ursprünglich als Protest gegen Polizeigewalt entstanden – hatten die Verantwortlichen von Kiss Radio 104.9 FM also womöglich eine politische Botschaft?

Der »Guardian« wollte die Sache aufklären  und rief im Sender an. Der Mann am anderen Ende der Leitung wollte demnach aber nichts dazu sagen. Nicht einmal seinen Namen gab er preis: Man möge ihn doch bitte Apollo nennen, nach der Figur aus den Rocky-Filmen. »Ich bin nur ein Typ in einer Kabine, der immer wieder Rage spielen lässt«, sagte Apollo. »Was halten Sie davon? Gefällt es Ihnen?«

Viele Hörerinnen und Hörer waren offenkundig nicht sonderlich angetan. Wünsche von Anrufern, andere Musik zu spielen, wurden dem »Guardian« zufolge am Mittwoch konsequent ignoriert. Laut Apollo, dem unbekannten Mann aus der Kabine, lief der Song bereits, als er zur Arbeit kam. Wann genau das alles anfing, konnte er aber auch nicht sagen.

Anmerkung der Redaktion: Eine frühere Version des Artikels endete mit dem Satz »Was hingegen sicher ist: Inzwischen spielt der Sender wieder brav Popmusik.« Inzwischen hat der Sender den Betrieb jedoch eingestellt, wie eine lokale Website berichtet . Ein neuer Sender übernahm die Frequenz. Wir haben den letzten Satz daher entfernt.

mxw
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