Raketentreibstoff 20 Bahnmitarbeiter bei Giftunfall verletzt

Großeinsatz auf einem Rangierbahnhof im brandenburgischen Seddin: Polizei und Feuerwehr untersuchen die Ursachen eines Giftunfalls. 20 Mitarbeiter der Bahn sind dort durch den Austritt der ätzenden Substanz Hydrazin verletzt worden.

Hamburg/Seddiner See - Die farblose Flüssigkeit ist entzündlich, sie hat einen stechenden Geruch: Durch den Austritt der giftigen Substanz Hydrazin aus einem Kesselwagen der Bahn sind am Freitag 20 Bahnmitarbeiter auf einem Rangierbahnhof im brandenburgischen Seddin, einem Ortsteil der Gemeinde Seddiner See bei Potsdam, verletzt worden. Sie seien wegen Atembeschwerden und Übelkeit zur Beobachtung in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei.

Der Stoff Hydrazin dient unter anderem zur Produktion von Raketentreibstoff. Schon bei einer Temperatur von 20 Grad kann er mit der Luft ein giftiges Gemisch bilden, für das bei mehr als 38 Grad Explosionsgefahr besteht. Auf Haut, Augen und Atemwege wirkt Hydrazin ätzend.

Nach Informationen des rbb  sollen die verletzten Personen das Gas eingeatmet haben. Rund um die Unglücksstelle wurde laut Polizei ein Sperrkreis mit einem 300 Meter großen Radius gezogen. Die Rangierarbeiten auf dem Bahnhof ruhten seit dem Mittag. Bahnmitarbeiter hatten das Leck um 13.15 Uhr an einem von 16 Kesselwagen entdeckt, die mit insgesamt 25 Tonnen Hydrazin beladen und dort abgestellt sind.

Am Nachmittag hatte die Feuerwehr damit begonnen, die giftige Flüssigkeit aus dem defekten Wagen abzupumpen. Spezialkräfte versuchten derweil, Beweise zu sichern. Es bestehe der Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung.

bos/dpa