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Mutmaßliche Rammstein-Betroffene »Bringt mich vor Gericht. Ich habe keine Angst«

Shelby Lynn hat den #MeToo-Skandal rund um die Band Rammstein ins Rollen gebracht. Die Irin erhielt daraufhin nach eigenen Angaben Post vom Anwalt Till Lindemanns – will sich davon aber nicht einschüchtern lassen.
Proteste gegen Rammstein-Auftritt in München

Proteste gegen Rammstein-Auftritt in München

Foto: Sven Hoppe / dpa

Mit ihrem Bericht von Erlebnissen bei einem Konzert der deutschen Band Rammstein hatte die Irin Shelby Lynn einen #MeToo-Skandal rund um Frontmann Till Lindemann ausgelöst. Ihre Erzählungen über den Sänger und seine mutmaßlichen Grenzüberschreitungen ermutigten in den vergangenen Wochen nahezu täglich mehr junge Frauen, an die Öffentlichkeit zu gehen. (Lesen Sie hier die umfangreiche SPIEGEL-Recherche zum Fall Rammstein .)

Nun erhielt Lynn offenbar Post vom Anwalt.

In einem Gespräch mit dem NDR und der »Süddeutschen Zeitung« enthüllte die 24-Jährige, dass sie zuletzt eine Unterlassungsaufforderung der Kanzlei erhielt, die Lindemann vertritt. Ihr aber sei das egal: »Macht mich bankrott. Ist mir egal. Bringt mich vor Gericht. Ich habe keine Angst«, wird Lynn zitiert. Rammstein habe viel zu verlieren und eine Menge zu verbergen. »Ich habe nichts zu verbergen.«

Blaue Flecken am ganzen Körper

In sozialen Medien hatte Lynn berichtet, was ihr auf einem Rammstein-Konzert in der litauischen Stadt Vilnius passiert sei. Demnach habe sie ein Mitarbeiter in einer Pause des Auftritts in einen kleinen Raum gebracht, in dem sie auf Lindemann getroffen sei. Auf ihre Ablehnung, Sex mit ihm zu haben, habe dieser aggressiv reagiert und sie angeschrien. Am nächsten Tag erwachte sie nach eigenen Angaben mit blauen Flecken am ganzen Körper und einer lückenhaften Erinnerung.

In einem späteren Twitter-Eintrag stellte Lynn klar, dass Lindemann ihr Nein an jenem Abend akzeptiert habe: "Til hat mich nicht angefasst. Ich habe nie behauptet, dass er mich vergewaltigt hat", schrieb Lynn am 30. Mai.

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Sie vermutet, dass im Alkohol, den man ihr auf einer »Pre-Party« angeboten hatte, möglicherweise K.-o.-Tropfen waren. Wie die »Bild«-Zeitung berichtet , ermittelt die Polizei in Vilnius derzeit nicht gegen Lindemann.

Der Sänger hat mittlerweile den Medienanwalt Christian Schertz engagiert, der sich mit harten Worten gegen die Berichte wehrt: »Diese Vorwürfe sind ausnahmslos unwahr. Wir werden wegen sämtlicher Anschuldigungen dieser Art umgehend rechtliche Schritte gegen die einzelnen Personen einleiten.« Im Fall von Lynn ist das offenbar bereits geschehen.

»Mit aller Härte des Gesetzes«

Inzwischen mehren sich die Stimmen aus der Politik, die eine Aufklärung der Vorwürfe fordern. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth (Grüne), etwa sagte dem SPIEGEL: »Die Zeiten von üblem Machotum verbunden mit Machtmissbrauch bis hin zu sexualisierter Gewalt sollten wirklich und definitiv vorbei sein.« Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verfolgt nach Angaben des Regierungssprechers Berichte über Rammstein. Es gehe hier um Vorwürfe, »die aufgeklärt gehören«.

Katja Mast, Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD, zeigt sich in einer neuen Stellungnahme schockiert: »Es wäre entsetzlich, wenn sich bewahrheitet, was nahezu stündlich in der Causa Rammstein ans Tageslicht kommt.« Angesagt sei jetzt maximale Aufklärung. Wo Straftaten und sexuelle Übergriffe begangen wurden, müsse in der Konsequenz »mit aller Härte des Gesetzes« reagiert werden. Der Schutz von Frauen und Minderjährigen stünde nun an oberster Stelle, etwa mit der Umsetzung einer »gerichtsverwertbaren, vertraulichen Beweissicherung«, um die sich die Koalition kümmern will.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Informationen zu dem Tweet Lynns vom 30. Mai ergänzt.

rai