Randale in Großbritannien Schwere Krawalle erschüttern Manchester

Brennende Häuser, zersplitterte Scheiben, geplünderte Läden: Hunderte Jugendliche haben in der Innenstadt von Manchester randaliert - die Krawalle erfassten auch andere britische Städte wie Nottingham und Birmingham. In London dagegen blieb es ruhig, dank eines Aufgebots von 16.000 Polizisten.
Randale in Großbritannien: Schwere Krawalle erschüttern Manchester

Randale in Großbritannien: Schwere Krawalle erschüttern Manchester

Foto: JON SUPER/ AP

London - Mehr als tausend Menschen sind seit Beginn der Krawalle am Wochenende in Großbritannien festgenommen worden - mehr als 700 allein in London. Nach Plünderungen, Straßenschlachten und Bränden der vergangenen Tage blieb es in der britischen Hauptstadt in der Nacht zum Mittwoch aber relativ ruhig. 16.000 Polizisten sicherten die Stadt, in einigen Vierteln formierten sich zudem Bürgerwehren.

Doch die Randale haben nun andere Städte erfasst. Besonders heftige Krawalle gab es in der drittgrößten Stadt des Landes, Manchester. Hunderte teils vermummte Jugendliche liefen durch das Stadtzentrum, warfen Schaufensterscheiben ein und plünderten Geschäfte. Sie zündeten mehrere Gebäude an und schleuderten Wurfgeschosse auf die Polizei - es folgten Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften.

Ein Polizeivertreter sprach von den schwersten Krawallen in Manchester der vergangenen 30 Jahre. "Das sind Verbrecher, die durchdrehen", sagte ein ranghoher Polizeioffizier. "Das ist sinnlose Gewalt und sinnlose Kriminalität in einer Größenordnung, wie ich sie nie zuvor gesehen habe." Der Polizei zufolge wurden in der Nacht in Manchester rund 50 Menschen festgenommen.

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England in Flammen: Gewaltwelle breitet sich aus

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Im zentralenglischen Nottingham griff eine Gruppe von 30 bis 40 Randalierern eine Polizeistation an und setzte sie mit Molotow-Cocktails in Brand. Zudem zündete sie ein Fahrzeug vor der Wache an. Verletzt wurde niemand. Auch eine Schule brannte, berichteten die Sicherheitskräfte. In der Stadt wurden mehr als 90 Menschen festgenommen.

Auch aus West Bromwich nahe der zentralenglischen Stadt Birmingham wurden Zusammenstöße gemeldet. Dort errichtete eine Gruppe von rund 200 Menschen nach Angaben der Polizei Barrikaden, zündete Autos an und bewarf Beamte. Auch in Birmingham selbst gingen die Krawalle am Dienstagabend weiter. In der Region wurden mehr als hundert Randalierer festgenommen.

Aus Wolverhampton und Leicester wurden ebenfalls Zwischenfälle gemeldet. In Liverpool wurden mehrere Löschzüge der Feuerwehr attackiert.

In London hatten viele Geschäfte und Büros aus Sorge vor neuen Unruhen vorzeitig geschlossen. Cafés, Restaurants und Pubs öffneten über Nacht nicht. In vielen üblicherweise belebten Straßen herrschte Stille. Einige Bewohner der Hauptstadt hatten sich darauf vorbereitet, ihre Häuser und Geschäfte zu schützen. In Southall im Westen Londons etwa versammelten sich Hunderte Angehörige der Religionsgemeinschaft der Sikhs vor ihrem Tempel, nachdem es Gerüchte gegeben hatte, dieser könnte geplündert werden.

Deutschland mahnt zu "besonderer Vorsicht"

Die Krawalle waren am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham ausgebrochen und hatten sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebreitet. Auslöser war der Tod des 29 Jahre alten, dunkelhäutigen Familienvaters Mark Duggan, der von der Polizei erschossen worden war. Er wurde durch einen Schuss in die Brust getötet.

Nach Angaben der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde IPCC wurden keine Beweise dafür gefunden, dass er zuvor selber auf die Beamten geschossen hatte. Die Pistole, die in dem Taxi gefunden wurde, in dem Duggan getötet wurde, sei nicht benutzt worden. Seine Familie erklärte, sie sei "bitter enttäuscht" über die vorläufigen Ergebnisse und verlange Antworten von den Behörden.

Premierminister David Cameron brach seinen Italien-Urlaub ab, um am Dienstag eine Krisensitzung der Regierung zu leiten. Er drohte den Randalierern mit einer harten Linie. Ein weiteres Sondertreffen war für Mittwoch geplant, am Donnerstag soll das Parlament eine Sitzung abhalten. Zahlreiche europäische Staaten, unter ihnen Deutschland, mahnen inzwischen zu "besonderer Vorsicht" bei Reisen nach Großbritannien.

Am Dienstag starb im Zusammenhang mit den Protesten erstmals ein Mensch. Ein 26-jähriger Mann erlag im Krankenhaus seinen Schussverletzungen, nachdem Beamte ihn am Montag im Londoner Stadtteil Croydon schwerverletzt aus einem Auto gezogen hatten. Mit zahlreichen brennenden Wohnhäusern, Lagerhallen und Geschäften sowie Hunderten zerbrochenen Schaufensterscheiben war die Nacht zum Dienstag die bisher schwerste Krawallnacht. Die Polizei zeigte sich völlig überfordert: Scotland Yard beschrieb die Gewalt als die "schlimmste in der jüngeren Geschichte".

kgp/AFP/dpa/dapd
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