Evangelische Kirche in Deutschland Annette Kurschus ist neue EKD-Chefin

Annette Kurschus ist die neue Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland. 126 Synodenteilnehmer stimmten für die 58-jährige Theologin.
Neue EKD-Chefin: Annette Kurschus

Neue EKD-Chefin: Annette Kurschus

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Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Wechsel an der Spitze der Protestanten in Deutschland: Auf ihrer Synode hat die Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Theologin Annette Kurschus zur neuen Ratsvorsitzenden gewählt. 126 Wahlberechtigte stimmten für die westfälische Präses. Zur stellvertretenden Ratsvorsitzenden wurde mit 116 Stimmen Bischöfin Kirsten Fehrs von der evangelischen Kirche in Norddeutschland gewählt.

Neben den 128 Synodalen waren auch die Leitungen der 20 evangelischen Landeskirchen stimmberechtigt. Der bisherige EKD-Chef, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, war nicht erneut angetreten.

»Auftrag und Ansporn zugleich«

Kurschus bekundete großen Respekt vor der anstehenden Aufgabe. »Vieles ist ungewiss, auch in unserer Kirche, aber ich bin zuversichtlich«, sagte sie. Die neue Ratsvorsitzende bedankte sich bei ihrem Vorgänger Heinrich Bedford-Strohm, der »eine starke Spur gelegt hat, an die wir anknüpfen können«. Bedford-Strohm war vor allem mit seinem Engagement für Flüchtlinge im Mittelmeer hervorgetreten.

Ihre Wahl sei »Auftrag und Ansporn zugleich«, sagte Kurschus. Als zentrales Thema für ihre Amtszeit in den kommenden Jahren nannte sie in einer ersten kurzen Rede nach der Abstimmung unter anderem den Klima- und Naturschutz. Gottes Schöpfung sei »gefährdet wie nie«. Zugleich kündigte sie an, die Bewältigung der Skandale um sexuellen Missbrauch in der Kirche zur »Chefinnensache« zu machen.

Bei den viertägigen Beratungen der EKD-Synode hatte die stockende Aufarbeitung von Sexualstraftaten in der Kirche eine große Rolle gespielt. Das Kirchenparlament sagte Änderungen im Dienstrecht zu, um Betroffene zu stärken.

»Du kennst den Laden«

Die EKD-Ratsvorsitzende ist die oberste Repräsentantin der evangelischen Kirche. Sie vertritt damit die Interessen von rund 20,2 Millionen evangelischer Christen. Kurschus ist die zweite Frau im Ratsvorsitz nach Margot Käßmann, die 2010 nach nur wenigen Monaten im Amt wegen einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss abgetreten war.

Die Präses der Synode, Anna-Nicole Heinrich, gratulierte Kurschus und sagte: »Du kennst den Laden der EKD, du weißt wie der Hase hier läuft.« Kurschus ist seit 2012 Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, ab 2015 war sie bereits stellvertretende Ratsvorsitzende. Die 58-Jährige wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus auf, studierte ab 1983 evangelische Theologie in Bonn, Marburg, Münster und Wuppertal.

Teamgeist in herausfordernden Zeiten

Bundesweit bekannt wurde Kurschus durch die Trauerfeier im Kölner Dom für die Hinterbliebenen des Germanwings-Absturzes 2015 in Frankreich. Bei der Flugzeugkatastrophe starben 150 Menschen, darunter 16 Schüler und Lehrer einer Schule aus Haltern am See. Kurschus beeindruckte in ihrer Predigt als einfühlsame Seelsorgerin. Zugleich hat sich die Theologin stets auch politisch positioniert. Für Geistliche mit AfD-Positionen sieht sie in ihrer Landeskirche keinen Platz.

Präses Heinrich stärkte der neuen EKD-Chefin den Rücken: »Du wirst vor den Kameras stehen und das Gesicht der evangelischen Kirche sein. Das wird dich fordern, herausfordern, aber du bist nicht allein im Rat. Wir sind ein starkes Team, wir unterstützen dich.«

Auch Vertreter der katholischen Kirche gratulierten. Er sei zuversichtlich, »dass wir weiter den eingeschlagenen ökumenischen Weg der Kirchen in Deutschland in guter und engagierter Weise fortsetzen werden«, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, in einem Schreiben an Kurschus.

ala/dpa
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