Raucher Rekord-Schadensersatz in USA

Der Tabakriese Philip Morris muß 146 Millionen Mark an die Familie eines toten Rauchers zahlen.

Portland - Ein Geschworenengericht in Portland (US-Bundesstaat Oregon) hat den Tabakkonzern Philip Morris zu einer Schadensersatzzahlung von umgerechnet 146 Millionen Mark an die Familie eines an Lungenkrebs gestorbenen Kettenrauchers verurteilt. Das ist die größte Summe, die jemals in einem Prozeß um die Folgen des Rauchens erstritten werden konnte.

Die Geschworenen gaben damit der Familie des verstorbenen Jesse Williams recht, die den Konzern verklagt hatte, weil dieser trotz der längst bekannten Krebsgefahr weiter Zigaretten verkauft habe. Der 1997 im Alter von 67 Jahren gestorbene Mann hatte rund 40 Jahre lang Zigaretten der von Philip Morris vertriebenen Marke "Marlboro" geraucht.

Philip Morris will Berufung einlegen. Anwalt Walter Cofer sprach von einem Urteil, "das auf Leidenschaft und Vorurteil" gegründet sei. Erst im letzten Monat war Philip Morris in einem ähnlich gelagerten Prozeß zu einer Geldstrafe von umgerechnet 93 Millionen Mark verurteilt worden. Das neuerliche Urteil hatte Auswirkungen auf die Börse - die Philip-Morris-Aktie sackte um acht Prozent ab - und könnte eine Welle von Prozessen nach sich ziehen. Zwar hatte die Branche sich im November 1998 bereit erklärt, 46 Staaten für entstandene Krankheitskosten mit umgerechnet 376 Milliarden Mark zu entschädigen, um Klagen einzelner Bundesstaaten zu verhindern. Privatklagen werden durch diese Regelung aber nicht ausgeschlossen.

SPIEGEL ONLINE 13/1999 - Vervielfältigung nur mit Genehmigung des SPIEGEL-Verlags

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