Großeinsatz in Bremen Landeskriminalamt enttarnt mutmaßlich korrupten Ermittler

Drogen, Bestechung, Geldwäsche: Polizisten gehen gegen das kriminelle Milieu in Bremen vor. Nach SPIEGEL-Informationen ist unter den Beschuldigten ein mutmaßlich bestechlicher Beamter des Landeskriminalamts.
SEK-Beamte bei einer Razzia im Bremer Clanmilieu (Archivbild)

SEK-Beamte bei einer Razzia im Bremer Clanmilieu (Archivbild)

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-- / picture alliance/dpa

Es begann mit einem Brief, der vor einiger Zeit das Landeskriminalamt (LKA) Bremen erreichte. Seitenlang habe ein anonymer Hinweisgeber von angeblichen Verbrechen in der Hansestadt berichtet, heißt es in Justizkreisen. Der geheimnisvolle Informant scheint sich gut auszukennen. Er nannte Namen, Straftaten, mutmaßlich kriminelle Netzwerke. Ein Tipp ließ die Beamten besonders hellhörig werden: Ein Polizist, ein Maulwurf in ihren eigenen Reihen, sei mit einem dubiosen Immobilienunternehmer befreundet, der Kontakte ins Milieu pflege.

Ermittlung mit dem Codenamen »Zirkel«

An diesem Donnerstagmorgen bekam der Beamte aus dem Kriminaldauerdienst des LKA nach SPIEGEL-Informationen Besuch von seinen Kollegen. Die Vorwürfe: Bestechlichkeit, gewerbsmäßiger Betrug, Verrat von Dienstgeheimnissen. Unter anderem soll der Beamte gegen Gefälligkeiten, wie die Überlassung eines Autos, sensible Informationen an dubiose Bekannte ausgeplaudert haben.

Der Fall ist Teil eines großen Ermittlungskomplexes der Staatsanwaltschaft Bremen mit dem Codenamen »Zirkel«. Seit den frühen Morgenstunden gehen Fahnder unter Führung des Bundeskriminalamts (BKA) gegen die Verdächtigen vor. Vier Personen wurden festgenommen, mehr als 20 Wohnungen und Geschäftsräume werden durchsucht.

Geknackte Kryptohandys brachten Fortschritte

Ein Teil der Ermittlungen befasst sich mit Clankriminalität und Drogenhandel im großen Stil. So sollen Mitglieder einer türkeistämmigen, jesidischen Großfamilie schwunghafte Geschäfte mit harten Drogen betrieben haben. Den mutmaßlichen Kopf der Bande, den 41-jährigen Halef D., hatten die Behörden schon lange im Visier. Zu Hilfe kam ihnen im vergangenen Jahr ein Coup der französischen Gendarmerie. Nach SPIEGEL-Informationen beruhen wesentliche Polizeierkenntnisse zur Bremer Bande auf von den Franzosen geknackten Kryptohandys, die die Tatverdächtigen offenbar nutzten.

Seit knapp einem Jahr werten Beamtinnen und Beamte in der Wiesbadener BKA-Zentrale einen riesigen Datensatz aus. Dabei handelt es sich um Chatnachrichten von Kunden der Firma Encrochat. Das dubiose IT-Unternehmen bot der Unterwelt über Jahre verschlüsselte Mobiltelefone mit einem besonderen Messengerdienst an, der für die Polizei lange nicht zu durchdringen war. Der Datenverkehr der überwiegend kriminellen Nutzer lief über Server der Firma in Frankreich. Kriminalisten bezeichneten den inzwischen eingestellten Dienst als »WhatsApp für Gangster«, mit dem Berufsverbrecher auf der ganzen Welt ihre Geschäfte abwickelten. Seit dem Hack durch die französischen Behörden geht die Polizei auch in Deutschland immer wieder mit spektakulären Razzien gegen mutmaßliche Verbrecher vor.

Zwei Immobilien wurden beschlagnahmt

In einem weiteren Strang des Bremer »Zirkel«-Verfahrens nehmen die Behörden die Geschäfte eines Immobilienunternehmers unter die Lupe. Seine Geschäftsräume und seine Privatanschrift werden durchsucht. Nach SPIEGEL-Informationen wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann gewerbsmäßige Geldwäsche vor. Er soll Kriminellen bei der Finanzierung von Immobilien behilflich gewesen sein. Zwei Immobilien wurden beschlagnahmt. Unterstützt wurde der Geschäftsmann wohl von zwei Bankmitarbeitern, deren Arbeitsplätze ebenfalls durchsucht werden. Der Unternehmer pflegte offenbar nicht nur beste Kontakte in die Finanzwelt. Zu seinen Freunden zählte den Ermittlungen zufolge auch der auskunftsfreudige LKA-Beamte, auf den bereits der anonyme Informant in seinem Schreiben hinwies.

Wer den Brief ans LKA schrieb, der alles ins Rollen brachte, konnte die Polizei trotz kriminaltechnischer Untersuchungen noch immer nicht herausfinden. Es muss jemand gewesen sein, der sich nicht nur bei den Gangstern, sondern auch in den Reihen der Bremer Mafiajäger auskannte. Denn adressiert war die Sendung an zwei namentlich genannte Ermittler. Die Spur des mysteriösen Informanten verliert sich in Berlin. Dort wurde der Brief eingeworfen.

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