Razzia in München Neonazis planten Anschlag mit 1,7 Kilo TNT

Die Polizei hat offenbar einen Anschlag rechter Extremisten vereitelt. Sechs Menschen wurden in der bayerischen Hauptstadt und in den neuen Bundesländern festgenommen. Dabei entdeckten die Fahnder eine gefährliche Menge hochexplosiven Sprengstoffs.

München - Bei Durchsuchungen im Münchner Süden wurden 1,7 Kilogramm TNT sichergestellt, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Das sei eine der größten Sprengstoffmengen, die im Zusammenhang mit Rechtsextremismus in Deutschland sichergestellt wurden. Mit dem sichergestellten Sprengstoff wäre ein Anschlag "mit sehr schweren Folgen" möglich gewesen, sagte der Münchner Polizeivizepräsident Jens Viering. Wann und wo der Anschlag geplant war, sei derzeit noch nicht bekannt. Das herauszufinden sei Schwerpunkt der Ermittlungen. Die Polizei richtete ein 20-köpfige Sonderkommission "TNT" ein.

Insgesamt hatten die Ermittler bei Hausdurchsuchungen rund 14 Kilogramm sprengstoffverdächtiges Material entdeckt, darunter Handgranaten, außerdem Schusswaffen, Sturmhauben, Munition und umfangreiche schriftliche Unterlagen.

Im Einzelnen wurden drei Mitglieder der rechten Gruppierung Kameradschaft Süd in München verhaftet, unter ihnen eine junge Frau. Gegen einen vierten Mann aus München, gegen den bereits wegen versuchten Totschlags ermittelt wurde, erging ein weiterer Haftbefehl. Zwei andere Verdächtige wurden in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern festgenommen. Die Staatsanwaltschaft München leitete gegen die Gruppe wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens sowie eines Verbrechens nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz ein Ermittlungsverfahren ein.

Nach Angaben der Polizei ist unter den Festgenommenen auch der bekannte Rechtsextreme Martin Wiese. Der 27-Jährige sei seit einem Jahr informeller Führer der Neonazi-"Kameradschaft Süd - Aktionsbüro Süddeutschland", sagte Verfassungsschutz-Sprecher Michael Feiler. Der Gruppe sollen etwa 25 Neonazis und Skinheads angehören. Auffällig aktiv gewesen sei Wiese gegen die Wehrmachts-Ausstellung in München. Im vergangenen November habe er eine Demonstration mit den bundesweit bekannten Neonazis Christian Worch und Steffen Hupka angemeldet. Im März habe Wiese vor dem US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr gegen den Irak-Krieg demonstriert. Zuletzt sei er im August bei einer Gedenkveranstaltung für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß im fränkischen Wunsiedel aufgetreten.

Auf die Spur der Gruppe kamen die Ermittler nach einer brutalen Schlägerei in Unterschleißheim bei München. Zwei Neonazis hatten dort einen 23-jährigen zu töten versucht, weil er sich von der Neonazi-Szene lossagen wollte. Bei den anschließenden Durchsuchungen entdeckte die Polizei den Sprengstoff und die Waffen.

Ob ein Zusammenhang mit dem Bombenfund im Dresdner Hauptbahnhof im Juni besteht, ist nach Angaben der Polizei noch unklar. Es werde untersucht, ob es sich um den gleichen Sprengstoff handelt. Zu Spekulationen, dass ein Anschlag auf das nächste Woche beginnende Münchner Oktoberfest geplant gewesen sein könnte, gebe es keinerlei Hinweis. Ein Rechtsextremist hatte 1980 bei einem Sprengstoff-Attentat auf der Wiesn 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

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