Reaktionen "Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan"

Nach dem Freispruch für Michael Jackson hat die Staatsanwaltschaft offen gelassen, ob sie in Berufung gehen will. Sein Verteidiger Thomas Mesereau sprach von einem Sieg der Gerechtigkeit.


Jacksons Verteidiger: "Der Mann ist unschuldig"
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Jacksons Verteidiger: "Der Mann ist unschuldig"

Santa Maria - Jacksons Anwalt Thomas Mesereau verlor nach der Urteilsverkündung nur wenige Worte. "Der Mann ist unschuldig, das ist er immer gewesen", sagte der Mittfünfziger und fügte hinzu: "Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan." Prozessbeobachter kommentierten den Freispruch in allen Punkten als unerwarteten Sieg. Star-Verteidiger Mesereau sei es gelungen, die Glaubwürdigkeit von Jacksons Beschuldiger und dessen Mutter in Frage zu stellen.

Der Anwalt hatte sie während des 14-wöchigen "Jahrhundertprozesses" immer wieder als Betrüger, Schauspieler und Lügner dargestellt, die sich an dem "naiven" Popstar bereichern wollten. Eine Strategie, die aufging: Die Jury folgte den Argumenten der Verteidigung in fast allen Punkten. Der Junge und dessen Mutter hätten den Eindruck von Lügnern und Betrügern gemacht, sagte eine 45-Jährige Geschworene.

Enttäuschung bei Staatsanwalt Sneddon

Staatsanwalt Sneddon: Kein Kommentar
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Staatsanwalt Sneddon: Kein Kommentar

Staatsanwalt Tom Sneddon zeigte sich von dem Urteil erwartungsgemäß "enttäuscht". Er ließ offen, ob die Staatsanwaltschaft in Berufung gehen werde. Auf die entsprechende Frage eines Reporters entgegnete Sneddon: "Kein Kommentar." Er schloss nicht aus, erneut gegen Jackson zu ermitteln, sollten neue Verdachtsmomente auftauchen: "Wir würden dies wie jeden anderen Fall in unserem Büro prüfen - genauso, wie wir diesen Fall geprüft haben", sagte Sneddon. Auch auf die Frage, ob er nun das Gefühl habe, einen Kinderschänder laufen zu lassen, sagte Sneddon: "Kein Kommentar." Mit dem Freispruch ist der Staatsanwalt nun erneut mit seinem angeblichen "Rachefeldzug" gegen Jackson gescheitert. Schon seit den neunziger Jahren wollte der Ankläger Michael Jackson als "pädophilen Serientäter" entlarven und hinter Gitter bringen.

Schuldig: die Medien

Bürgerrechtler Jackson: Es gab zwei Prozesse
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Bürgerrechtler Jackson: Es gab zwei Prozesse

Nach dem Freispruch für Michael Jackson fiel allerdings auch noch ein Schuldspruch, und zwar für die Medien. Der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson kritisierte die Vorverurteilung des Popstars in Presse und Rundfunk. "Es gab zwei Prozesse zur gleichen Zeit: Einen im Gericht und einen anderen in der Presse", sagte der Prediger dem Fernsehsender CNN. Michael Jackson sei bereits "in zahlreichen Redaktionsräumen und Fernsehsendungen verurteilt worden." Er hoffe, dass die Medien aus der Erfahrung mit dem Missbrauchsprozess Lehren ziehen. Nun müsse "die Zeit der Heilung beginnen".

Freunde und Verwandte des US-Sängers zeigten sich nach der Jury-Entscheidung erleichtert. "Ich hätte nie einen Pädophilen geheiratet", erklärte Jacksons Ex-Frau Debbie Rowe. Das Urteil zeige, dass die Justiz in den USA funktioniere.

Nach Ende des Verfahrens droht Jackson noch ein gerichtliches Nachspiel. Der jetzt 15-jährige Beschuldiger kann sich in den nächsten drei Jahren entscheiden, ob er in einer Zivilklage gegen den Sänger vorgehen will. Ein Schuldspruch der Geschworenen hätte es ihm allerdings erleichtert, einen Millionenbetrag einzufordern.

Jackson war in dem Verfahren wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in allen Anklagepunkten freigesprochen worden. Bei einem Schuldspruch der Geschworenen hätten dem 46-Jährigen Sänger rund 18 Jahre Haft gedroht.



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