Reemtsma-Prozess Staatsanwalt fordert fast 15 Jahre Haft für Thomas Drach

Wegen der Entführung des Hamburger Multimillionärs Jan Philipp Reemtsma hat die Staatsanwaltschaft 14 Jahre und sechs Monate Haft für den Angeklagten Thomas Drach gefordert.


Thomas Drach
DPA

Thomas Drach

Hamburg - Oberstaatsanwalt Peter Stechmann sagte in seinem Plädoyer vor dem Hamburger Landgericht, Drach sei als Kopf der Entführerbande zu verurteilen, die Reemstma am 25. März 1996 vor dessen Villa in Hamburg-Blankenese verschleppt und erst nach 33 Tagen Geiselhaft in einem Kellerverließ gegen die Zahlung von 30 Millionen Mark Lösegeld wieder freigelassen hatte.

Strafverschärfend müsse sich auswirken, dass Drach nur unzureichend über den Verbleib des Lösegelds ausgesagt habe und nach der Haft "auf ein Leben in Luxus" hoffe, sagte Stechmann weiter. Außerdem müsse ein Strafmaß nahe an der Höchstgrenze von 15 Jahren gegen Drach verhängt werden, um Nachahmungstäter abzuschrecken.

Urteil am 2. März

Drei Männer wurden bereits wegen ihrer Beteiligung an der Entführung Reemtsmas zu Haftstrafen verurteilt. Am 2. März will das Hamburger Landgericht das Urteil gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Drach verkünden.

Der 40-jährige Drach hatte zu Prozessbeginn im Dezember eine Tatbeteiligung gestanden, zunächst aber jede weitere Aussage über die Entführung verweigert. Stattdessen warf er der Polizei "illegale Ermittlungsmethoden" vor, durch die der entführte Sozialforscher unnötig in Gefahr gebracht worden sei.

Drach beklagte sich über seine Haftbedingungen in Argentinien, wo er bis zu seiner Auslieferung an Deutschland im vergangenen Juli im Gefängnis saß. Damit will er erreichen, dass die Haftzeit in Argentinien bei der Strafzumessung durch das Landgericht besonders hoch angerechnet wird und die noch zu verbüßende Gefängnisstrafe verkürzt wird.

Drach: "Lösegeld-Millionen wurden gestohlen"

Über den Verbleib des Lösegelds sagte Drach, von seinem Anteil seien nur noch zwei Millionen übrig. Der Rest sei ihm bei der Flucht in Osteuropa gestohlen und für einen aufwendigen Lebensstil in Südamerika ausgegeben worden. Nach den Millionen fahndet weltweit seit Jahren eine von Reemtsmas Vermögensverwaltern beauftragte Firma.

Der als Mittäter der Entführung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilte Wolfgang Koszics beschuldigte Drach in dem Prozess, Drahtzieher der Entführung gewesen zu sein und den Großteil des Lösegelds eingestrichen zu haben. Er widersprach damit Drachs Darstellung, der behauptet hatte, die Lösegeldmillionen sei zwischen ihnen aufgeteilt worden.

Drach war vor fast drei Jahren in Argentinien von Zielfahndern aufgespürt und festgenommen worden. Nach einem juristischen Tauziehen mit seinen Anwälten um die Auslieferung wurde Drach im Juli 2000 nach Deutschland gebracht. Dort sitzt er seitdem in Untersuchungshaft. Die Nebenklage hat gefordert, dass Drach nach Verbüßung der Strafhaft in Sicherheitsverwahrung kommt.



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