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Régine, 92

aus DER SPIEGEL 19/2022
Foto: Luc Fournol / photo12 / culture-images

Zur »Königin der Nacht« wird man nicht ohne Einsatz: Sie brauche wenig Schlaf, sei 18 Stunden auf den Beinen, trinke selten und rauche nie, hat Régine von sich gesagt. Was eine Gastgeberin ausmacht, hatte die 1929 im belgischen Anderlecht als Tochter polnisch-jüdischer Eltern geborene Régina Zylberberg im Pariser Bistro ihres Vaters gelernt. Bald machte sie sich im Nachtklub Whisky à Gogo unersetzlich, Françoise Sagan freundete sich mit ihr an, die Rothschilds finanzierten ihr Ende der Fünfziger den ersten eigenen Klub. Manchen Histo­rikern des Nachtlebens gilt Régine als Erfinderin der Disco, denn im Chez Régine tanzten Georges Pompidou oder Bri­gitte Bardot zu Musik, die nicht von einer Kapelle oder aus der Jukebox kam, sondern von zwei Plattenspielern. Anfang der Sechziger lehrte die talentierte Tänzerin Tout-Paris den Twist, später nahm die Rothaarige Gesangsstunden und sang Chansons, die Aznavour oder Gainsbourg für sie schrieben. In den Siebzigern exportierte sie ihr Régine’s-Erfolgsrezept, zeitweise umfasste ihr Imperium 23 Eta­blissements. Auch in New York, Kuala Lumpur oder Düsseldorf kam es auf die richtige Gäste­mischung aus Prominenten, Reichen und Gutaussehenden an. Die Kontrolle durchs Guckloch in der Klubtür bestand nur, wer korrekt gekleidet war: Selbst Mick Jagger wurde wegen seiner Turnschuhe weggeschickt. Sie sang eine französische Version von »I Will Sur­vive« und behielt ihren spöttischen Humor auch in einer Reality-TV-Show auf dem Bauernhof. Eine Freundin nannte sie »eine Taschenlampe in der Nacht, Vertraute, Trösterin, Beraterin«. Régine starb am 1. Mai im Großraum Paris.

feb
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