Reicher Vergewaltiger Wirbel um Lottomillionär im Knast

Ein Sturm der Entrüstung ist in Großbritannien losgebrochen, nachdem ein in Haft sitzender Serienvergewaltiger mehr als zehn Millionen Euro im Lotto gewonnen hat. Politiker wollen sicherstellen, dass der Mann keinen Cent von seinem Gewinn bekommt, solange er noch seine Strafe verbüßt.


Iorworth Hoare (Archivbild): Vergewaltiger, Häftling, Millionär
REUTERS

Iorworth Hoare (Archivbild): Vergewaltiger, Häftling, Millionär

London - "Wir können einen Häftling oder seine Familie nicht davon abhalten, einen Lottoschein zu kaufen. Aber wir können aufpassen, dass er nichts davon hat, solange er noch im Gefängnis sitzt", sagte Innenminister David Blunkett der Boulevardzeitung "Sun". Der 52 Jahre alte Iorworth Hoare hatte sich das Los bei einem Freigang am Wochenende besorgt und ist nun rund 7 Millionen Pfund (10,2 Millionen Euro) reicher.

Blunkett sagte, er wolle mit der Lottogesellschaft und den Kabinettskollegen klären, ob sich derartige Vorfälle in Zukunft per Gesetz verhindern ließen. Im Fall eines Gewinns müssen verurteilte Kriminelle nach Blunketts Vorschlag einen Teil davon in einen Fonds zu Gunsten von Verbrechensopfern einzahlen. Außerdem dürften sie den Gewinn während ihrer Haftzeit nicht ausgezahlt bekommen, hieß es weiter.

Der plötzliche Reichtum des Vergewaltigers könnte seinen Opfern allerdings eine späte Entschädigung bescheren. "Offensichtlich hat dieser Mann sehr viel Geld, und ich hoffe, irgendjemand denkt irgendwo daran, ihn auf Schadenersatz zu verklagen", sagte Blunketts Kollegin, Staatsministerin Hazel Blears, dem britischen Rundfunksender BBC.

Die Vergewaltigungen sind vor mehr als 20 Jahren geschehen. Fraglich ist, ob die Ansprüche der Opfer in der Zwischenzeit verjährt sein könnten. Die Frist liegt bei Sexualdelikten in Großbritannien normalerweise bei sechs Jahren, berichtet die "Sun". Laut Anwälten könnten Opfer angeben, sie hätten den Täter damals nicht verklagt, weil er kein Geld gehabt habe, heißt es in der "Sun". Theoretisch könnten die Betroffenen körperliche und psychische Schäden ebenso wie ruinierte Beziehungen und missglückte Karrieren geltend machen.

Bislang hat der Gewinn dem Häftling selbst nur Nachteile gebracht. Er wurde sofort in ein Gefängnis mit höherer Sicherheitsstufe verlegt. Der Grund: Er hat nun genug Geld, um eine Flucht finanzieren zu können. Seine Freigänge wurden gestrichen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Hoare von Mitgefangenen erpresst wird.

Hoare, dessen Haftstrafe vermutlich bald vorüber ist, war 1989 wegen Vergewaltigung einer 60 Jahre alten Frau in Leeds zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zuvor hatte er schon mehrere andere Sexualstraftaten begangen. Ein Richter sagte damals zu ihm: "Jede Minute, die Sie in Freiheit sind, bringt eine Frau in Gefahr."



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