Rekord Meteorologen messen 27,6 Grad in Freiburg

So mancher Sommer ist frischer als dieser Herbst: Die Temperaturen lagen vielerorts bei mehr als 25 Grad, Freibäder öffneten ihre Pforten. In Freiburg und Heitersheim fielen alte Wärmerekorde. Im Norden allerdings wird es bald ungemütlich.


Bad Nauheim - Sommerliche Temperaturen mitten im Herbst: In Freiburg im Breisgau und in Heitersheim (Baden-Württemberg) ist es heute mit 27,6 Grad so warm wie noch nie in den jeweils letzten zehn Oktobertagen gewesen. "Das ist ein neuer Deutschlandrekord für die letzten zehn Oktobertage", sagte Roland Reiter vom Wetterdienst Meteomedia. Bislang hatte Stuttgart die Rekordliste angeführt: Dort war die Temperatur am 23. Oktober 1989 auf 27,1 Grad geklettert.

Sonnenbad im Herbst: Vielerorts wurden Rekordtemperaturen gemessen
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Sonnenbad im Herbst: Vielerorts wurden Rekordtemperaturen gemessen

Neue Bestmarken erreichten die Temperaturen für diesen Zeitraum auch in Saarbrücken mit 23 Grad und Weimar mit 25,5 Grad. Auch in Nordrhein-Westfalen und dem Allgäu kamen die Werte in die Nähe der bisherigen Spitzenwerte. Am kühlsten sei es an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins gewesen, sagte der Meteorologe.

Auch in Brandenburg meldete sich der Sommer zurück: In Potsdam wurden heute 21,9 Grad gemessen. "Das ist fast doppelt so warm wie zu dieser Jahreszeit üblich", sagte Angela Richter, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Potsdam. Normal seien jetzt Temperaturen von 11,5 Grad. Der Donnerstag sei aber nicht der bisher wärmste 26. Oktober gewesen. Der Spitzenwert sei 1949 mit 23,8 Grad erreicht worden.

Stellenweise auf Werte über 25 Grad kletterten die Temperaturen in Rheinland-Pfalz. Viele Sonnenanbeter strömten ins Freie. Am wärmsten wurde es in den Tälern von Rhein und Mosel. Ursache für die hohen Temperaturen war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes eine südliche bis südwestliche Strömung, die Luft subtropischen Ursprungs heranschaufelte. Im pfälzischen Enkenbach-Alsenborn ist sogar wieder das beheizte Freibad geöffnet. "Im Moment sind 50, 60 Leute im Bad und geben sich der Sonne hin", sagte ein Schwimmmeister.

Mehr Sonne, weniger Regen

Auch Nordrhein-Westfalen erlebte mitten im Herbst einen Sommertag. Am Rhein stiegt das Thermometer in Grevenbroich bei Düsseldorf auf exakt 25 Grad. "Und von da an sprechen wir von einem Sommertag", erklärte der Wetterdienst Meteomedia. Bei Sonnenschein und mehr als 20 Grad genossen auch die Menschen in Niedersachsen und Bremen das milde Herbstwetter.

Der Norden erlebt an vielen Orten den wärmsten Oktober seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Am deutlichsten werde Helgoland den bisherigen Rekord von durchschnittlich 14,3 Grad aus dem Jahr 2001 überbieten, sagte Günter Delfs vom Deutschen Wetterdienst. Bis heute lag der Wert auf Deutschlands einziger Hochseeinsel bei 14,7 Grad. Das Nordseewasser sei noch rund 16 Grad warm und verhindere eine starke Abkühlung.

Ungewöhnlich war der Oktober bisher auch in Berlin. "Der Monat war im Schnitt drei Grad wärmer als andere Oktober der vergangenen Jahre", sagte der zuständige Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam. Außerdem habe es rund zwei Drittel weniger Regen gegeben als für diesen Monat normal sei.

Sonne pur gab es heute auch auf Deutschlands höchstem Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze. Doch mit fast sommerlichen Temperaturen, wie sie in den Tälern am Alpenrand gemessen wurden, konnte der "höchste" Wetterbeobachter der Nation nicht aufwarten. "8,3 Grad sind kein Rekord", sagte Norbert Stadler. Der liegt fast 30 Jahre zurück. Am 10. Oktober 1978 wurden auf der Zugspitze 12,7 Grad gemessen.

Sturmwarnung für den Norden

Der Deutsche Wetterdienst hat vor Orkanböen gewarnt, die morgen die Küsten von Nord- und Ostsee sowie weite Teile Norddeutschlands treffen können. Dort drohen Windgeschwindigkeiten von deutlich mehr als 100 Kilometer pro Stunde, wie die Meteorologen am Donnerstag in Offenbach mitteilten. In den Schweizer Alpentälern sorgten unterdessen subtropische Luftmassen und Föhn für Temperaturrekorde von fast 29 Grad. Das Wochenendwetter in Deutschland soll wechselhaft, warm und windig bleiben.

Sturm bringt demnach das Orkantief mit dem chinesischen Namen "Yanqiu", das schon heute Abend die Nordsee treffen soll. Im Lauf der Nacht dehnt sich das Schlechtwettergebiet über Schleswig-Holstein bis Mecklenburg-Vorpommern aus. Laut DWD muss vor allem an der Küste und im Norden Schleswig-Holsteins mit schweren Sturmböen der Stärken 10 und 11 gerechnet werden, das entspricht Windgeschwindigkeiten zwischen 90 und 115 Stundenkilometern. Auf der Nordsee sind sogar Orkanböen der Stärke 12 und mehr als 117 Kilometern pro Stunde möglich. Im Binnenland soll der Wind den Meteorologen zufolge nicht ganz so heftig blasen.

ffr/dpa/AP



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