Rettung nach Grubenunglück Das Wunder von Xiangning

Sieben Tage lang waren sie unter Tage eingeschlossen, gaben Klopfzeichen, trotzten dem eingedrungenen Wasser: Jetzt sind in einer Kohlegrube in Nordchina mehr als hundert Kumpel lebend geborgen worden. "Es ist endlich ein Wunder geschehen", sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte.


Peking - Mehr als eine Woche nach dem schweren Grubenunglück in China sind 114 Bergleute lebend gerettet worden. Das staatliche Fernsehen zeigte am Montagmorgen, wie die Arbeiter aus dem überschwemmten Kohlebergwerk bei Xiangning ans Tageslicht geholt wurden. In das noch im Bau befindliche Bergwerk war am Sonntag vergangener Woche Wasser eingebrochen, 153 Arbeiter wurden dabei unter Tage eingeschlossen.

"Es ist endlich ein Wunder geschehen", sagte der Sprecher des Einsatzzentrums in Xiangning in der nordchinesischen Provinz Shanxi vor Journalisten. 3000 Helfer hatten sich in den vergangenen Tagen unermüdlich um die Rettung der Bergleute bemüht. Die Arbeiter hatten sich zum Teil mit ihren Gürteln an den Wänden der Stollen festgekettet, um nicht vor Erschöpfung umzufallen und in dem aufgestauten Wasser zu ertrinken. Ein an der Rettungsaktion beteiligter Sanitäter sagte, die Geretteten seien unterkühlt, dehydriert und litten unter Hauterkrankungen, weil sie so lange im Wasser gestanden hätten. Einige stünden unter Schock.

Ein Berater der chinesischen Regierung für die Sicherheit von Bergwerken, David Feickert, sprach von "einer der erstaunlichsten Rettungsaktionen in der Geschichte des Bergbaus".

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Grubenunglück: Rettungseinsatz für chinesische Bergarbeiter

Am Samstag waren Rettungsteams mit Tauchern in die Grube vorgedrungen, nachdem am Freitag erstmals Klopfzeichen von verschütteten Bergleuten gehört worden waren. Während die Geretteten auf Tragen aus dem Eingang der Grube zu Krankenwagen gebracht wurden, applaudierten Mitglieder der Bergungsmannschaften.

Die Bergwerke in der Volksrepublik gelten als die gefährlichsten der Welt. Bei drei weiteren Unglücken in chinesischen Kohlegruben sind seit Mittwoch mindestens 28 Bergleute ums Leben gekommen. 29 weitere Kumpel wurden als vermisst gemeldet. Eine Gasexplosion tötete 19 Bergleute in einem Bergwerk in der Provinz Henan. In der Provinz Shanxi kamen neun Arbeiter durch ein Feuer unter Tage ums Leben. In der Provinz Heilongjiang wurden fünf Kumpel nach einem Wassereinbruch verschüttet.

Im vergangenen Jahr kamen nach einer amtlichen Statistik 2631 Bergarbeiter unter Tage ums Leben. 2002 waren es 6995 gewesen.

cai/dpa/apn/AFP



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