Rettungsaktion vor Lampedusa Flüchtlingsboot mit Hunderten Menschen gekentert

Auf dem Weg von Nordafrika zur italienischen Insel Lampedusa ist ein Flüchtlingsboot in Seenot geraten und hat Schiffbruch erlitten: Rund 200 Menschen waren an Bord, eine großangelegte Rettungsaktion läuft.

Rom/Lampedusa - Italienische Rettungsmannschaften befürchten nach dem Schiffbruch eines Flüchtlingsboots vor Lampedusa mehr als hundert Tote. Es handelt sich bei den Opfern höchstwahrscheinlich nicht wie zunächst angenommen um Tunesier, sondern um Menschen, die aus Libyen geflohen sind, vermutet das Hafenamt von Lampedusa. Sechs Stunden nach dem Schiffbruch wurden bereits 20 Leichen geborgen.

Das Boot war in der Nacht zum Mittwoch zwischen Malta und Lampedus in einen schweren Sturm mit hohem Seegang geraten und gekentert, wie italienische Medien übereinstimmend berichteten. Die etwa 200 Immigranten, die sich auf dem Schiff befanden, seien dabei über Bord gegangen. Lediglich 48 konnten bis zum Morgen gerettet werden. Darunter sind nach den ersten Angaben auch Schwerverletzte. Die überlebenden Schiffbrüchigen sollen nach Lampedusa gebracht und dort betreut werden. Oft sind die Boote der Immigranten aus Nordafrika wenig seetauglich.

Drei Motorschiffe, ein Flugzeug und ein Helikopter der italienischen Küstenwache suchen derzeit nach weiteren Überlebenden. Auch ein maltesisches Flugzeug beteiligte sich an der Rettungsaktion etwa 70 Kilometer südwestlich von Lampedusa. Man müsse aber annehmen, dass viele der noch Vermissten ertrunken seien, hieß es von Behördenseite auf Lampedusa. Heftiger Nordwestwind und hoher Seegang der Stärke 6 erschwerten die Suchaktion.

In den vergangenen Wochen waren etwa 22.000 Immigranten aus Tunesien nach Lampedusa geflohen. Der italienische Innenminister Roberto Maroni hatte am Dienstag in Tunis mit der dortigen Regierung eine stärkere Kontrolle der tunesischen Küste vereinbart, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen. Tunesien soll sich gegen eine massive Rückführung von Immigranten ausgesprochen haben, aber geregelten Abschiebungen zustimmen. Zuvor hatte auch Regierungschef Silvio Berlusconi in Tunis für eine Vereinbarung geworben. Lampedusa, eine 5000-Einwohner-Insel, liegt rund 150 Kilometer von Tunesiens Küste entfernt.

wit/dpa/AFP