Rettungsarbeiten Vermisstenzahl drastisch gestiegen

Die Zahl der Vermissten nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center hat sich drastisch erhöht. New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani nannte die Zahl von 6333.


"Versuchen jeden zu finden, der am Leben": Feuerwehrleute auf der Suche nach Überlebenden
REUTERS

"Versuchen jeden zu finden, der am Leben": Feuerwehrleute auf der Suche nach Überlebenden

New York - Das sind rund 900 Vermisste mehr, als bislang angegeben wurde. Die Korrektur sei durch neue Daten aus dem Ausland zustande gekommen, so der Bürgermeister. Neben Amerikanern werden Ausländer aus 62 Nationen vermisst, darunter nach bisherigen Angaben 100 Deutsche.

"Wir versuchen jeden zu finden, der am Leben ist", sagte Giuliani am Donnerstag dem US-Sender NBC. Er befürchte aber, dass manche Opfer wahrscheinlich niemals gefunden werden könnten. Wegen der enorm hohen Temperaturen von rund 1100 Grad nach den Einschlägen der Flugzeuge werde es wohl nicht möglich sein, alle Toten zu bergen.

Seit Mittwoch vergangener Woche war kein Überlebender mehr aus den Trümmern der Hochhäuser gerettet worden. Bislang fanden die Bergungstrupps laut Giuliani 241 Tote, 170 wurden identifiziert. Für Sonntag ist die offizielle Trauerfeier im Yankee-Stadion anberaumt worden.

Gegenüber dem Fernsehsender ABC kündigte Giuliani an, die Aufräumarbeiten würden mindestens sechs Monate dauern. Von den Trümmern des einst mehr als 400 Meter hohen und 110 Stockwerke zählenden World Trade Center seien bislang 60.000 Tonnen Schutt abgetragen worden.

Fischers Visite bei "Engine 54"

Als Zeichen der Solidarität mit der Stadt New York hat Bundesaußenminister Joschka Fischer am Donnerstag die Feuerwehr der US-Metropole besucht. Fischer legte einen Kranz an der Feuerwehrwache "Engine 54" nieder. Die Wache hatte 15 von 52 Männern verloren, als die Türme des World Trade Centers nach den verheerenden Anschlägen am 11. September zusammenstürzten. Der Außenminister überreichte der Einheit einen Scheck über 100.000 Dollar (212.000 Mark/108.000 Euro).

In der Feuerwache zeigte sich der Minister sichtlich bewegt, als er die Fotos der ums Leben gekommenen Männer betrachtete. Die Feuerwehrleute schenkten dem Minister einen Aufnäher mit dem Emblem ihrer Einheit. "Ihr habt einen guten Job gemacht", sagte Fischer.

Der Außenminister besuchte auch ein Betreuungszentrum für Angehörige der Terroropfer und sprach ferner mit dem deutschen Krisenstab, der sich um die Angehörigen der etwa 100 deutschen Opfer kümmert.

Silverstein will World Trade Center wieder aufbauen

Unterdessen hat der Pächter des zerstörten World Trade Center, Larry Silverstein, erklärt, er halte einen Wiederaufbau am selben Standort bis 2004 oder 2005 für möglich. Er erwäge ernsthaft die Errichtung von vier Türmen mit je 55 bis 60 Stockwerken, sagte Silverstein am Donnerstag. Nach seiner Schätzung wird die Räumung der Trümmer 14 bis 20 Monate dauern.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.