Rettungsdrama Forscher in hessischer Tropfsteinhöhle eingeklemmt

Ein Forscher ist am Fuße des Westerwalds von einem herabgestürzten Felsbrocken in einer Höhle eingeklemmt worden. Spezialeinheiten und Rettungsteams versuchen, ihn zu befreien - und kämpfen gegen eine drohende Unterkühlung des Mannes.

Zwei Mitarbeiter der Bergwacht: Rettungsaktion in westhessischer Tropfsteinhöhle
ddp

Zwei Mitarbeiter der Bergwacht: Rettungsaktion in westhessischer Tropfsteinhöhle


Breitscheid-Erdbach - Die Rettungskräfte im Westerwald stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Ein Forscher ist am Sonntag in einer Tropfsteinhöhle eingeschlossen worden. Es droht die Unterkühlung des offenbar unverletzten Mannes, teilte Polizeisprecher Willi Schwarz der Nachrichtenagentur AP mit. Er schloss nicht aus, dass die Rettungsaktion mit Spezialisten aus Bamberg und Thüringen die ganze Nacht dauern könnte.

Der Unfall ereignete sich am Sonntagnachmittag gegen 15.30 Uhr in der Besucherhöhle "Herbstlabyrinth" in Breitscheid im hessischen Lahn-Dill-Kreis. Der etwa 45 Jahre alte Forscher war zusammen mit drei Kollegen bei Forschungsarbeiten im rückwärtigen Teil des großen Höhlenlabyrinths tätig. Dabei stieß er in dem rund 250 Meter vom öffentlich zugänglichen Teil der Höhle entfernten Bereich gegen einen Felsvorsprung, der sich daraufhin bewegte. Der Mann wurde von dem nach Polizeiangaben mindestens 100 Kilo schweren Felsbrocken von der Hüfte abwärts eingeklemmt.

Die drei Kollegen des Forschers konnten unversehrt entkommen, er selbst blieb eingeklemmt und konnte auch bei ersten Rettungsversuchen vor Ort nicht befreit werden. Der Mann sei ansprechbar, und es bestehe auch Kontakt zu ihm. So seien zwei Notärzte bei ihm, von denen einer selbst Höhlenforscher sei. Auch Rettungssanitäter seien an der Unfallstelle, die nur durch 20-minütiges Kriechen erreichbar war. Bei Temperaturen von neun Grad Celsius wurden ein Heizlüfter sowie Wärmepads eingesetzt, um eine Unterkühlung des Eingeschlossenen zu vermeiden. Außerdem erhielt der Forscher über Schläuche warmen Tee.

Seit mittags in der Höhle unterwegs

Das Hauptproblem aber sei, dass die Felsbrocken und Gesteinsmassen hinter ihm nicht einfach beiseitegeräumt werden könnten, "weil man nicht weiß, was dann nachkommt", sagte ein Polizeisprecher in Gießen. Am späten Abend trafen Spezialeinheiten von Höhlenrettungsexperten aus Bamberg in Bayern und Illmenau in Thüringen vor Ort ein. Sie wollen in der Nacht versuchen, den Mann zu befreien.

Wie es hieß, war er mit seinen Kollegen bereits seit 12 Uhr mit den Forschungsarbeiten in der Höhle beschäftigt. Die sogenannte Halle, in der es zu dem Unfall kam, sei bereits seit 2003 bekannt und schon mehrfach begangen worden. Der herabgestürzte Felsbrocken liege keilförmig auf dem Unterkörper des Eingeklemmten, der aus der Region stammt.

Die Schauhöhle, die nur einen kleinen Teil des riesigen Labyrinths ausmacht, wurde erst im Mai der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das "Herbstlabyrinth" gehört mit zu einem Höhlensystem mit ausgeprägtem Tropfsteinschmuck und vielen großen Einzelhöhlenräumen und langen Gangsystemen. An vielen Stellen haben sich nach Angaben der Betreiber besondere Tropfsteinformationen und Calcitkristalle gebildet.

wit/AP/ddp

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