Richthofen-Mord Tochter ließ Eltern erschlagen

Der Mord am angeblichen Enkel des "Roten Barons", Manfred Albert von Richthofen, und seiner Ehefrau ist aufgeklärt. Die Tochter Suzane soll zwei Gehilfen angestiftet haben, ihre Eltern mit Eisenstangen im Schlaf zu erschlagen.


Sao Paulo: Im Nobelviertel Campo Belo wurde Richthofen vergangene Woche ermordet
AP

Sao Paulo: Im Nobelviertel Campo Belo wurde Richthofen vergangene Woche ermordet

Sao Paulo - Jahrelang hatte Manfred Albert von Richthofen versucht, über seine Abstammung ein Stück Ruhm zu ergattern. In die Schlagzeilen kam er jedoch erst, als er tot war. Am Donnerstag vergangener Woche wurde der Bauingenieur zusammen mit seiner 50-jährigen Frau in ihrer Luxusvilla in Brasilien ermordet. Jetzt wurde seine Tochter Suzane Louise, 19, von der Polizei verhaftet. Sie soll den Mord an ihren Eltern seit zwei Monaten geplant und dann von ihrem Freund Daniel Silva, 21, und dessen Bruder Cristian, 26, ausführen haben lassen.

Nach Erkenntnissen der Polizei ließ die Tochter ihre Eltern nur deshalb umbringen, weil sie nicht mit ihrem Freund im elterlichen Haus im Nobelviertel Campo Belo wohnen durfte. Suzane soll unter anderem Gummihandschuhe für die Täter besorgt haben. Alle drei standen bei der Tat unter Rauschgifteinfluss, erklärte die Polizei. "Die Angeklagten haben am frühen Morgen nach zwölfstündigem Verhör ein Geständnis abgelegt", sagte am Freitag der zuständige Kommissar.

Der Sohn Andreas Albert, 15, hat laut Polizeiangaben nichts mit der Tat zu tun. Er hatte zusammen mit Suzane die mit Schlafanzügen bekleideten Leichen in einer großen Blutlache im Bett entdeckt. Die Köpfe der Leichen waren in Handtücher und Plastiktüten gewickelt; die Wände blutverschmiert. Auf dem Boden neben dem Bett lag ein Revolver. Die Mörder schossen allerdings nicht, sondern erschlugen die Eheleute nach den Erkenntnissen der Ermittler mit Eisenstangen.

"Weder Türen noch Fenster waren aufgebrochen. Im Haus fehlte nach Angaben der Angehörigen zwar etwas Geld, aber keines der vier Autos oder sonstige Wertgegenstände waren mitgenommen worden. Das und die Brutalität der Tat hat uns auf die richtige Spur gebracht", sagte ein Polizeisprecher.

Von Richthofen hatte sich in Brasilien jahrelang als Großneffe des "Roten Barons", des legendären deutschen Jagdfliegers Manfred Freiherr von Richthofen ausgegeben. "Er hat immer den Mythos seines Großonkels gepflegt, alte Fotos gezeigt", sagte ein Journalist aus Brasilien. Von Richthofen habe behauptet, dass sein Großvater ein Bruder des "Roten Barons" war, der in den fünfziger Jahren Deutschland verließ und nach Santa Cruz im südbrasilianischen Bundesland Rio Grande do Sul auswanderte. Die Familie von Richthofen in Deutschland dagegen dementierte jetzt diese Angaben. "Der so tragisch zu Tode gekommene Deutsche war kein Sohn oder Enkel eines der beiden Brüder des 'Roten Barons'", sagte Karl-Friedrich Freiherr von Richthofen. Er verwaltet das Familienarchiv.



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