Riesen-Krater in Schmalkalden "Als würden Kieslaster abgekippt"

Der Boden knarzte, Wasser rauschte - dann klaffte mitten im thüringischen Schmalkalden plötzlich ein riesiger Krater. Noch immer drohen Gebäude in die Tiefe zu stürzen. Ursache war ein Hohlraum, der durch Auswaschungen entstand.


Schmalkalden - Gegen 3.00 Uhr in der Nacht weckten Geräusche einen Anwohner im thüringischen Schmalkalden. "Zuerst hörte ich das Rauschen von Wasser, und dann klang es, als würde ein Dutzend Kieslaster abgekippt", beschreibt Wolfgang Peter seine Eindrücke. Er sei aus dem Haus gegangen. "Weil ich wissen wollte, wer da Straßenarbeiten ausführt", sagte Peter der "Thüringer Allgemeinen". Dann der Schock: Unmittelbar neben dem Haus klaffte ein riesiger Krater.

Mitten in einem Wohngebiet in der Stadt Schmalkalden ist es in der Nacht zu Montag zu einem Erdfall gekommen, ein riesiges Loch hat sich im Boden aufgetan. Laut thüringischem Umweltministerium misst der Krater 30 mal 30 Meter und ist rund 20 Meter tief. Ein Auto stürzte in das Erdloch.

Der Unglücksort wurde umgehend weiträumig abgesperrt, nach neuesten Erkenntnissen mussten neun Wohnhäuser evakuiert werden. Die 25 Anwohner wurden zunächst in Feuerwehrzelten betreut. "Schmalkalden stellt für die Evakuierten, die nicht bei Verwandten unterkommen, Ferienwohnungen bereit", sagte Bürgermeister Thomas Kaminski der "Thüringer Allgemeinen". Die meisten der Betroffenen waren am Vormittag allerdings bereits bei Freunden, Verwandten und Bekannten untergekommen. Einige von ihnen waren nur mit dem Ausweis in der Hand nachts aus ihren Häusern geflüchtet. Wann und ob sie wieder zurückkehren können, ist vorerst unklar.

Fotostrecke

12  Bilder
Krater in Schmalkalden: "Es bröckelt noch"
Landrat Ralf Luther sprach vom "Glück im Unglück", weil bei der Katastrophe niemand verletzt wurde. "Das ist hammerhart, vor allem für die evakuierten Anwohner", fügte er laut "Thüringer Allgemeine" an, mahnte aber auch, sich jetzt die Unglücksursache genau anzusehen, um geeignete Maßnahmen treffen zu können. Es seien zehn- bis zwölftausend Kubikmeter Erde abgerutscht, sagte Luther MDR Info.

Unglücksursache: Zusammenbruch eines großen Hohlraums

Am Kraterrand rutschte unterdessen weitere Erde nach. "Es bröckelt ein wenig", sagte Polizeisprecher Fred Jäger. Eine Garage, die unmittelbar an der Bruchkante steht, droht in das Loch abzurutschen. Häuser wiesen Risse auf. Strom, Wasser und Gas seien abgestellt worden, um keine weiteren Gefahren zu erzeugen. Experten des Landesbergamts und der Landesanstalt für Umwelt und Geologie waren vor Ort, um nach der Ursache zu forschen.

Am Nachmittag war klar: Der Krater von Schmalkalden hat eine natürliche Ursache. Offensichtlich ist ein großer Hohlraum in sich zusammengebrochen, sagte Jan Katzschmann vom Geologischen Landesdienst bei einer Pressekonferenz. Ob Steinsalze, Kalziumsulfate oder Kalkstein ausgespült wurden, könne gegenwärtig noch nicht gesagt werden. In den kommenden Tagen seien weitere Abbrüche am Kraterrand möglich.

Bergmännische Tätigkeiten kämen als Ursache für den Erdfall jedenfalls nicht in Frage, sagte der Leiter des Thüringer Bergamtes, Hartmut Kießling. Derzeit würden verschiedene technische Möglichkeiten geprüft, um das metertiefe Loch möglichst schnell zu verfüllen.

Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz sagte, jetzt habe die Stabilisierung des Loches oberste Priorität. Allerdings sei der Einsatz schwerer Technik problematisch, da noch immer Erdmassen nachstürzen könnten. Reinholz will am Dienstag dem Kabinett berichten. Mit dem Verfüllen des Loches könne frühestens am Dienstagmorgen begonnen werden, hieß es.

Fotostrecke

15  Bilder
Krater in Deutschland: Wenn die Erde rutscht

"In dieser Region hat Erdfall eine gewisse Tradition", sagte der Sprecher des Umwelt- und Agrarministeriums in Erfurt, Andreas Maruschke, SPIEGEL ONLINE unter Verweis auf das rund 40 Kilometer entfernte Tiefenort, wo nach einem ähnlichen Erdfall mehrere Häuser unbewohnbar wurden. "Dort ist Auswaschung eindeutig als Ursache festgestellt worden."

Erdfälle gibt es häufig in Bergbauregionen, aber auch in Karstgebieten. Zuletzt sackte bei Bad Frankenhausen ein großes Stück Acker zwölf Meter in die Tiefe.

siu/dpa/dapd



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
aldente 01.11.2010
1. Unsinniger Bergbau
Das zeigt mal wieder, wie unsinnig, teuer und gefährlich Bergbau in Deutschland ist! Gerade vor diesem Hintergrund ist es in vielerlei Hinsicht Wahnsinn, dass deutsche Kohlekraftwerke teils noch mit deutscher Kohle befeuert werden! Entweder man kauft die Kohle billig im Ausland ein (dann müssen die dort mit den Problemen Leben), oder man setzt gleich modernere Energieformen ein, wie zum Beispiel die Kernenergie!
seppfrieder 01.11.2010
2. Bergbau?
Zitat von aldenteDas zeigt mal wieder, wie unsinnig, teuer und gefährlich Bergbau in Deutschland ist! Gerade vor diesem Hintergrund ist es in vielerlei Hinsicht Wahnsinn, dass deutsche Kohlekraftwerke teils noch mit deutscher Kohle befeuert werden! Entweder man kauft die Kohle billig im Ausland ein (dann müssen die dort mit den Problemen Leben), oder man setzt gleich modernere Energieformen ein, wie zum Beispiel die Kernenergie!
Hätten sie doch lieber nichts geschrieben. Bergbau in Schmalkalden und dann noch um Kohle rauszuhohlen. ;-)
Cathetel 01.11.2010
3. Bam
Zitat von aldenteDas zeigt mal wieder, wie unsinnig, teuer und gefährlich Bergbau in Deutschland ist! Gerade vor diesem Hintergrund ist es in vielerlei Hinsicht Wahnsinn, dass deutsche Kohlekraftwerke teils noch mit deutscher Kohle befeuert werden! Entweder man kauft die Kohle billig im Ausland ein (dann müssen die dort mit den Problemen Leben), oder man setzt gleich modernere Energieformen ein, wie zum Beispiel die Kernenergie!
Hatte ich nicht gelesen das es sich eventuell um Salzförderung im Mittelalter handelte? Ist natürlich auch schon etwas verjährt. Naja, aber da müssen wir wohl noch etwas abwarten und schauen was die Analyse ergibt, bevor wir scharf schießen und die Kernenergie *hust* loben. ;)
tomkey 01.11.2010
4. passiert nicht zum erstenmal
das konnte ja nun keiner ahnen, dass das mittelalter in schmalkalden soweit "durchschlägt". oder war's ein alter fluchttunnel?? ;) ich kenne ähnliches aus tiefenort, unweit von schmalkalden. dort wurde zu ddr-zeiten kali abgebaut. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,677663,00.html vielleicht kann ja die landesregierung gelder für erkundungsbohrungen in alten bergbaugebieten freimachen. wie wird es denn in anderen berbaugebieten gemacht??
Realo, 01.11.2010
5. Schwachsinn ²
Zitat von aldenteDas zeigt mal wieder, wie unsinnig, teuer und gefährlich Bergbau in Deutschland ist! Gerade vor diesem Hintergrund ist es in vielerlei Hinsicht Wahnsinn, dass deutsche Kohlekraftwerke teils noch mit deutscher Kohle befeuert werden! Entweder man kauft die Kohle billig im Ausland ein (dann müssen die dort mit den Problemen Leben), oder man setzt gleich modernere Energieformen ein, wie zum Beispiel die Kernenergie!
Sie haben den Artikel definitiv NICHT gelesen ! Es hat nichts, aber auch gar nichts mit Kohlebergbau zu tun ! Ihr restliches "blablabla" ist ebenfalls nicht diskussionswürdig......
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.