Ausschreitungen vor WM Polizei räumt Armenviertel in Rio de Janeiro

Kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft greift die Polizei in den Armenvierteln von Rio de Janeiro hart durch. Jetzt wurde ein Viertel komplett geräumt. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt, darunter auch Kinder.

REUTERS

Rio de Janeiro - Eskalation in Rio de Janeiro: Die Polizei hat ein neu errichtetes Armenviertel in der brasilianischen Großstadt geräumt. Zwölf Menschen wurden dabei verletzt, 25 festgenommen. Unter den Festgenommenen soll auch ein Pressefotograf sein. Insgesamt waren mehr als tausend Polizisten im Einsatz, um die 5000 Bewohner aus dem Viertel zu verdrängen.

Bei dem Einsatz benutzte die Polizei Tränengas, Blendgranaten und Pfefferspray, um die Bewohner auseinanderzutreiben. Diese bewarfen die Polizei mit Steinen und Brandbomben. Mehrere Fahrzeuge und einige Bauten wurden in Brand gesetzt. Unter den Verletzten sind drei Kinder, fünf Polizisten und vier Hausbesetzer. Sie wurden mit Prellungen und Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser eingeliefert.

Die Zwangsräumung sei nach drei Stunden erfolgreich beendet gewesen, sagte ein Polizeisprecher dem Fernsehsender Globo TV. Dennoch gebe es in den umliegenden Gebieten weiter Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten. Das vor knapp zwei Wochen aufgebaute Armenviertel auf dem Gelände einer Telefongesellschaft liegt nahe dem Maracanã-Stadion, in dem das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft im Juli stattfinden soll.

Bereits vor wenigen Tagen hatten Tausende Elitepolizisten Armenviertel in Rio de Janeiro besetzt. Das Ziel: Sicherheit. Die Favelas des betroffenen Complexo da Maré gelten als gefährlich, als Hochburg der Drogenbanden. Außerdem sollen sich Rauschgift- und Waffenhändler hierher geflüchtet haben, nachdem sie aus anderen Vierteln verjagt wurden.

130.000 Menschen leben in den betroffenen Favelas. Die Polizeieinheiten sollen dort bis mindestens 31. Juli bleiben, also bis zwei Wochen nach dem Finale der WM. Das Gebiet liegt direkt zwischen dem internationalen Flughafen und dem Zentrum Rio de Janeiros. Wichtige Hauptstraßen führen durch das Gelände, es ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte während der Fußball-Weltmeisterschaft.

jbe/dpa/AP

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sambamarco 11.04.2014
1. Hauptstadt?
Dass Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens war, ist bereits ein Weilchen her… In der Gegenwart heißt diese immer noch Brasilia… ;-)
klugscheißer2011 11.04.2014
2. Steinmeier schon unterwegs nach Rio?
Zitat von sysopGetty ImagesKurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft greift die Polizei in den Armenvierteln von Rio de Janeiro hart durch. Jetzt wurde ein Viertel komplett geräumt. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt, darunter auch Kinder. http://www.spiegel.de/panorama/rio-de-janeiro-polizei-raeumt-armenviertel-a-964033.html
Ist denn Europas Chefdiplomat schon unterwegs nach Brasilien, um der dortigen Regierung unmissverständlich mit Sanktionen zu drohen, so wie er es auch mit Janukowitsch gemacht hat, als der Polizisten gegen die Maidan-Demonstranten schickte? Nein, aber mal im Ernst, einer Fußball-WM auf dieser Weise das Terrain zu bereiten, ist unwürdig. Man stelle sich vor, 2006 hätte man in Berlin mal eben so Kreuzberg plattgemacht, um Platz für Glanz und Gloria zu schaffen. Deutschland sollte seine Teilnahme absagen! Ach geht nicht? Na gut, dann fliegen die Jungs eben wie geplant nach der Vorrunde wieder nach Hause.
nano-thermit 11.04.2014
3. Im Namen des Fußballs...
...müssen hunderttausende halt mal die Luft anhalten. Nicht dass die FIFA Werbepartner ihr Geld umsonst investiert haben. Und schließlich sind ja alle dort Gangster und drogendealer. Wenn Brasilien muslimisch wäre, waren in den fabellas wohl gaaanz viele Terroristen. Das klingt dich genauso rechtfertigend wie drogendealer und Waffenhändler, oder? Danke SPON für dieses menschenwürdige berichten. Ganz in diesem Sinne, ich mag die Menschen in den favelas und finde jeder sollte einen Zuhause haben.....
ilmonte 11.04.2014
4. Da freut er sich bestimmt..
der Herr Blatter und wenn die Spiele vorbei sind können ja alle wieder in ihr Heim. Es wird Zeit dass auch mal die WM boykotiert wird und nicht nur die Olympischen Spiele.
JKStiller 11.04.2014
5. Verzweifelte Versuche
der Polizei, Recht und Ordnung vor einer zu genau beobachtenden Welt zu suggerieren. Was wirklich in drei Monaten passieren wird, das liegt auf jeden Fall nicht in den Händen der Staatsmacht. Es wird die Gnade der Gangster und die Höhe des ausgemachten Friedensgelds sein, die eine Weltmeisterschaft ohne zu viele Tote ermöglichen wird. Während der WM werden außerdem in den Favelas alte Rechnungen beglichen werden und dabei Polizisten zu neuen Helden werden. Wenn der ganze Spuk vorbei ist, fliegt alles wieder in sich zusammen bis Olympia. Und dann wird wieder von vorne verhandelt. Im Fernsehen sieht's aber gar nicht so schlimm aus.....
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