Risikofaktor Kinderspielzeug Künast will alle gefährlichen Inhaltstoffe verbieten

Verbraucherschutzministerin Künast schlägt wegen gesundheitsgefährdender Stoffe in Kinderspielzeug Alarm. Sie will erreichen, dass in der EU nur noch solche Chemikalien für die Spielzeugherstellung benutzt werden dürfen, die nachweislich unbedenklich sind.


Auch Herstellern und Händlern sind die Risiken in Plastikspielzeug nicht immer bekannt
GMS

Auch Herstellern und Händlern sind die Risiken in Plastikspielzeug nicht immer bekannt

Brüssel - In einem am Montag in Brüssel bekannt gewordenen Brief an EU-Gesundheitskommissar David Byrne setzt sich Renate Künast für eine so genannte Positivliste für zugelassenen Stoffe ein - etwa in Quietscheentchen oder Malstiften und Fingerfarben. "Wir wollen eine wissenschaftliche Risikobewertung für chemische Stoffe in Kinderspielzeug", erläuterte Staatssekretär Alexander Müller beim EU-Verbraucherrat den Brief.

"Die deutschen Überwachungsbehörden stellen immer wieder gesundheitlich bedenkliche Stoffe in Spielzeug fest", heißt es in dem Schreiben Künasts. Die Risiken seien Herstellern und Händlern nicht immer bekannt, "da die spezifischen Anforderungen für die meisten in Spielzeug eingesetzten Stoffe fehlen". Darüber hinaus könnten die Behörden Erzeugnisse erst dann beanstanden und vom Markt nehmen, wenn mit akuten gesundheitlichen Schäden zu rechnen sei.

"Diese Situation ist äußerst unbefriedigend, da der vorsorgende gesundheitliche Verbraucherschutz in diesem Bereich nicht in ausreichender Weise sichergestellt ist", schrieb Künast weiter. Es sei zu befürchten, dass auch in Zukunft immer wieder gesundheitlich bedenkliche Stoffe in Spielzeug entdeckt würden, "die in der Öffentlichkeit erhebliche Unruhe und Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Spielwaren auslösen". Deshalb müsse die bestehende und für alle EU-Mitgliedstaaten verbindliche geltende Spielzeugrichtlinie so geändert werden, dass dem vorsorgenden gesundheitlichen Verbraucherschutz besser Rechnung getragen werde.

In Quietscheenten sind häufig Weichmacher
DPA

In Quietscheenten sind häufig Weichmacher

Staatssekretär Müller begrüßte in Brüssel die Einigung des EU- Ministerrates, möglicherweise Krebs erregenden so genannte Azo-Farbstoffe in Textilien und Leder zu verbieten. Dieses Verbot müsse aber letztlich auch europaweit für Kinderspielzeug gelten.

Auch ein geplantes EU-Verbot bestimmter gesundheitsschädigender Phtalate - das sind chemische Weichmacher - in Spielzeug aus PVC kritisierte er als nicht weitgehend genug. Auf EU-Ebene ist nach seinen Angaben ein solches Verbot für Beißringe und Ähnliches Spielzeug vorgesehen, das Kinder unter drei Jahren in den Mund nehmen können. Spielzeug allerdings, das - wie etwa Quietscheentchen - nicht eigens zum Beißen oder Saugen hergestellt wird, soll lediglich mit einem Warnhinweis versehen werden. Zu diesen und anderen die Gesundheit von Kindern gefährdenden Stoffen sagte der Staatssekretär: "Wir wollen sie alle verbieten."



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