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Damiano David Rock 'n' Roll und Aberglaube

aus DER SPIEGEL 22/2021
Foto: imago stock / imago images/ITAR-TASS

Ausgerechnet beim Eurovision Song Contest (ESC), als Kitsch- und Trashfest verschrien, wurde die Wiedergeburt des Rock ausgerufen: Måneskin, italienische Band mit dänischem Namen, wurden vom Publikum zum Sieger gewählt – und ließen die balladesken Juryfavoriten aus der Schweiz und Frankreich hinter sich. Als die Band die Siegertrophäe beim ESC entgegennahm, rief der Sänger Damiano David, 22, aus: »Rock 'n' Roll will never die!« Über ein Siegerstatement habe er vorher nicht nachgedacht, sagt der inzwischen nach Rom zurückgekehrte David via Zoom, weil er abergläubisch sei: »Deswegen habe ich improvisiert und gehofft, dass es für alle okay sein würde.« Måneskin siegten bei dem Wettbewerb mit einer stilisierten Glamrock-Show zum lauten Song »Zitti e buoni« (»Still und brav«), der geschminkte Sänger zeigte Zunge und tätowierten Oberkörper. »Wir wollen ausdrücken, dass es bescheuert ist, wenn sich irgendjemand durch Geschlechterrollen eingeschränkt fühlt«, erklärt Bassistin Victoria De Angelis, »alle sollten tragen und tun können, was sie wollen.« Noch in der ESC-Nacht hatte ein Video in den sozialen Medien Gerüchte ausgelöst, Damiano David habe in der Halle Kokain geschnupft. Der Verdacht gilt inzwischen von offizieller Stelle als ausgeräumt, sogar per Drogentest. Dass er Drogen ablehne, begründet David mit seiner Professionalität: Man müsse gesund sein, um hundertprozentig performen zu können. »Keine Drogen, kein Junkfood, genug Zeit zum Schlafen und all das.« Außerdem habe man mehr Zeit, gute Songs zu schreiben, wenn man nicht ständig in Entzugskliniken müsse. Wie gut ihre Songs beim typischen Rockpublikum ankommen, wollen die Italiener im Juni 2022 testen: Da sind sie für die deutschen Festivals Rock am Ring und Rock im Park gebucht.

feb
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