Rom feiert Padre Pio heilig

Vor hunderttausenden Gläubigen hat Papst Johannes Paul II. am Sonntag den italienischen Kapuzinermönch Padre Pio (1887-1968) heilig gesprochen. Es handelt sich um die größte Heiligsprechungs-Zeremonie, die je in Rom stattgefunden hat.


Mit Kreuz: Papst Johannes Paul II.
DPA

Mit Kreuz: Papst Johannes Paul II.

Rom - Unmittelbar nachdem der schwer kranke Pontifex mit bebender Stimme die Heiligsprechungsformel verlesen hatte, erhob sich über dem Petersplatz in Rom lang anhaltender Applaus. Es handelt sich um die größte Heiligsprechungs-Zeremonie, die je in Rom stattgefunden hat.

Bereits in den Nacht waren die ersten Züge und Autobusse mit Gläubigen aus allen Teilen Italiens in Rom eingetroffen. Insgesamt waren 250 000 Platzkarten aufgelegt worden, doch die Behörden rechneten mit mehr als doppelt so vielen Pilgern.

Von Millionen Gläubigen in Italien und aller Welt wird Francesco Forgione als Padre Pio (Pater Pius) verehrt - in dem "Buch der Heiligen" der katholischen Kirche wird er seit Sonntag als Heiliger Pio da Pietrelcina geführt werden.

Francesco Forgione wurde am 25. Mai 1887 in Pietrelcina, einem Dorf rund 75 Kilometer östlich von Neapel, geboren. Beim Eintritt in den Kapuziner-Orden nahm der den Namen Pio (der Fromme) an.

Vom Vatikan kritisch beäugt

Bereits kurz nach seiner Priesterweihe traten erstmals Wundmale an Padre Pios Händen und Füßen auf. Diese so genannten Stigmata gelten als Beweis der besonderen Verbundenheit mit dem gekreuzigten Christus. Nur in wenigen Fällen, wie etwa beim Heiligen Franz von Assisi, hat die katholische Kirche bisher die Stigmata anerkannt. Im Fall Padre Pios hat sich die Kirche noch nicht endgültig geäußert.

Zu Lebzeiten war der Mönch vom Vatikan besonders kritisch beäugt worden. Ihm wurde vorgeworfen, ein Schwindler zu sein und die Gläubigen zu verwirren. Mehrere Jahre lang durfte er in den 1930er Jahren deshalb die Messe nicht öffentlich lesen. Seiner Popularität tat dies jedoch keinen Abbruch. Als er am 23. September 1968 im Kloster San Giovanni Rotondo in Apulien 81-jährig starb, wurde er längst als Heiliger verehrt. Er soll unzählige Wunder gewirkt haben.



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