Rosenmontagszüge "Charlie Hebdo", Putin und der Bundeswehrschrott

Die weltpolitische Lage macht keine Feierlaune - Jecken und Narren lassen sich davon ihren Rosenmontag nicht verderben. Extremisten und Politiker kann man schließlich prima auslachen.


Köln/Düsseldorf/Mainz - Hunderttausende Menschen am Straßenrand, viele Tonnen geworfener Süßigkeiten und ein nahezu durchgehend hoher Alkoholpegel: Mit den Rosenmontagszügen hat der Straßenkarneval seinen Höhepunkt erreicht.

Köln feiert in diesem Jahr unter dem Motto "social jeck - kunterbunt vernetzt". In Düsseldorf heißt es "traumhaft jeck", in Mainz "Hier bin ich Narr, hier darf ich's sein - an Fassenacht in Mainz am Rhein".

Um 10.11 Uhr setzte sich der Kölner Zug in Richtung Innenstadt in Bewegung. Das Motto "social jeck" wurde auf acht Wagen thematisiert: Porno, Kaufrausch, Trash und Terror strömten da zum Beispiel aus dem Internet. Aber auch die große und die kleine Politik wurden veräppelt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) legt eine Bruchlandung mit Bundeswehrschrott hin.

Auf einem der Wagen ließ ein Clown mitten in einem abgeholzten Stiftewald einen neuen Buntstift als Symbol der Narrenfreiheit wachsen - eine Anspielung auf den Anschlag gegen die französische Zeitschrift "Charlie Hebdo".

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Rosenmontagszüge: Alaaf! Helau! Kamelle!
Der Siegerentwurf für den ursprünglichen Wagen hatte einen schwarz gekleideten Mann mit Sprengstoffgürtel und gezückter Schusswaffe zeigen sollen, in deren Mündung ein Narr einen Bleistift rammt und die Waffe damit zerstört. Das Festkomitee hatte den Rückzug des Wagens mit den Rückmeldungen besorgter Bürger begründet. Diese Entscheidung war kritisiert worden - viele empfanden sie als Selbstzensur.

Auch in Düsseldorf griffen die Macher die Themen Extremismus und Terrorismus auf. Auf einem der Wagen maßen sich etwa zwei Skelette im Armdrücken, die für die Dschihadistengruppen al-Qaida und IS stehen sollen. An der Seite des Wagens ist die Aufschrift "Terror-Wettkampf" zu sehen. Ein anderer Wagen zeigt drei bärtige Männer, die sich Ohren, Mund und Augen zuhalten. Die Aufschriften auf ihren Kopfbedeckungen bilden den Satz: "Terror hat nichts mit Religion zu tun".

In den Städten gab es nach Angaben der Polizei keine Anhaltspunkte für eine konkrete Gefährdung der Züge - anders als am Sonntag in Braunschweig. Dort hatte die Polizei einen Karnevalszug wegen einer Anschlagswarnung zwei Stunden vor dem geplanten Beginn abgesagt. Zu der Veranstaltung waren 250.000 Menschen erwartet worden.

ulz/dpa/AFP



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