Rotes Meer Passagierschiff mit 1300 Menschen gesunken

Die ägyptischen Behörden haben bestätigt, dass die Fähre "Salam 98" mit 1300 Passagieren an Bord im Roten Meer gesunken ist. Gestern Abend war das Schiff von den Radarschirmen verschwunden. Einige Überlebende wurden gerettet, aber auch mehrere Leichen geborgen.


Kairo - Der Leiter der ägyptischen Schifffahrtsbehörde sagte, das Schiff sei gesunken. Der Unglücksort liege etwa 70 Kilometer vor dem Hafen von Hurghada. An Bord sollen neben 1300 Passagieren auch 100 Besatzungsmitglieder gewesen sein. Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders al-Arabija wurden 14 Leichen geborgen und zwölf Überlebende gerettet.

Die Fähre "Al Salam Boccaccio 98": Archivbild von 1999
AP

Die Fähre "Al Salam Boccaccio 98": Archivbild von 1999

Das Schiff hätte am frühen Morgen im ägyptischen Hafen Safaga eintreffen sollen. Sollte das Schiff das Notsignal SOS gesendet haben, hat es zumindest niemanden erreicht. "Wir haben jeden Kontakt mit dem Schiff verloren, kurz nachdem es den Hafen in Saudi-Arabien verlassen hatte", sagte ein Sprecher, der namentlich nicht genannt werden wollte. An der Stelle, an der das Boot zuletzt gesehen wurde, sind nach Angaben der ägyptischen Marine Rettungsboote mit Menschen zu sehen.

Ägyptische und saudi-arabische Hubschrauber suchen nun nach Überlebenden, es gibt aber bereits erste Meldungen über Leichen, die im Wasser treiben. Vier ägyptische Kriegsschiffe sind auf dem Weg zum Unglücksort, um Menschen aus dem Wasser zu holen. Auch die Küstenwache hat Rettungskräfte entsandt. Das Schiff hat ersten Angaben zufolge die Sicherheitsbestimmungen und die zulässige Zahl der Passagiere eingehalten.

An Bord waren den Angaben zufolge vermutlich hauptsächlich Pilger, die von Mekka aus auf dem Heimweg waren. Die "Salam 98" kam ursprünglich aus Dschedda, legte dann in Dubah an und verschwand kurz nach dem Ablegen spurlos.

"Wir wissen nicht, was passiert ist", sagte ein Sprecher des saudi-arabischen Grenzschutzes. Möglicherweise sei das Schiff gesunken oder umgekippt. Ein Schwesterschiff der Unglücksfähre, die "Salaam 95", ist im Oktober im Roten Meer gesunken. Es war mit einem zypriotischen Handelsschiff kollidiert. Damals wurden fast alle Passagiere gerettet. Nach der Kollision brach eine Panik aus, bei der zwei Menschen starben und 40 weitere verletzt wurden.

Eigentümer ist die ägyptische Reederei El-Salaam Maritime Transport Co. Über den korrekten Namen des Schiffes gab es widersprüchliche Angaben. Der US-Sender CNN meldete, die Fähre trage den vollständigen Namen "Al Salam Boccaccio 98".

Die "Al Salam Boccaccio 98" fuhr offenbar unter der Flagge Panamas. Sie wurde 1970 in Italien gebaut. Das rund 130 Meter lange und 24 Meter breite Schiff ist für 1300 Passagiere zugelassen. Der Chef der Reederei, der das Unglücksschiff gehört, bestätigte, die Fähre sei mehr als 25 Jahre alt und in Panama registriert. Weitere Angaben wollte er nicht machen.

ffr/AP/dpa/AFP/rtr



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