Royale Affäre Oh, Paul

Diskretion ist die wohl wichtigste Tugend eines Butlers. Dumm für die britische Königsfamilie, dass einer ihrer intimsten Kenner, der ehemalige Butler von Prinzessin Diana, sich nicht an diese Regel hält. Paul Burells Enthüllungsbuch kommt heute in den Handel.

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Paul Burrell: Kein Anruf aus dem Palast
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Paul Burrell: Kein Anruf aus dem Palast

London - Seit mehr als einer Woche wird die britische Öffentlichkeit mit immer neuen Indiskretionen aus dem Leben der verstorbenen Prinzessin versorgt: Dianas ehemaliger Butler Paul Burrell hatte dem "Daily Mirror" in Auszügen den Vorabdruck seines Buchs "A Royal Duty" (Eine königliche Pflicht) gestattet. Sehr zum Missfallen des Palastes ist das brisante Werk ab heute in Großbritannien zu kaufen - dabei hätte die königliche Familie die Veröffentlichung ganz einfach stoppen können.

Diana: Vertrauen missbraucht?
DPA

Diana: Vertrauen missbraucht?

Burrell sagte in einem Interview mit der BBC, er hätte auf die Veröffentlichung verzichtet, wenn nur ein Mitglied der königlichen Familie zum Hörer gegriffen hätte. "Nur ein Anruf, und ich hätte das Ganze gestoppt." Dass die Prinzen William und Harry ihm nun "kalten und offenkundigen Verrat" an ihrer toten Mutter vorwerfen, beeindruckt Burrell offensichtlich nicht. Der BBC sagt er, Dianas Söhne seien keine Kinder mehr. Es sei Zeit für sie, erwachsen zu werden. Gleichzeitig sagte er, in der Auseinandersetzung würden die Prinzen vorgeschoben. "Die Jungs wurden manipuliert und benutzt von dem System, dem Palast, den Männern in grauen Anzügen, den Menschen, die das auch mit ihrer Mutter gemacht haben."

Noch am Wochenende hatten William und Harry das Buch verurteilt: "Wir verstehen nicht, wie Paul, dem so viel Vertrauen entgegen gebracht wurde, seine Position so missbrauchen konnte." Burrell solle "die Enthüllungen einstellen", forderten die Prinzen.

Harry, William: Zeit, erwachsen zu werden
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Harry, William: Zeit, erwachsen zu werden

Burrell dagegen, blieb auch in dem Interview dabei: Sein Buch sei ein Zeichen der Hochachtung vor Diana. Mit Rache habe es nichts zu tun. Im vergangenen Jahr hatte sich Burrell vor Gericht verantworten müssen: Ihm war vorgeworfen worden, nach dem Unfalltod der Prinzessin illegal Kleider, Fotos, Briefe, Tonbänder und andere Dinge aus ihrem Privatbesitz an sich genommen zu haben. Dann plötzlich, als der Butler aussagen sollte, stoppte die Queen höchstpersönlich den Prozess. Burrell, der als der Dieb der Nation dagestanden hatte, war entlastet.

"Es wäre anders gekommen, wenn die Jungs angerufen und gesagt hätten, 'Oh Paul, wir konnten dir während des Prozesses nicht helfen. Uns waren die Hände gebunden'", sagte Burrell nun. Ein Anruf - das sei nach 21 Jahren im Dienste der Königlichen Familie ja wohl nicht zu viel verlangt.

Angeblich will sich Prinz William nun persönlich mit Burrell treffen, um ihm die Meinung zu sagen und ihn umzustimmen. Die "Times" zitierte am Montag einen Mitarbeiter von Prinz Charles mit den Worten, William werde den ehemaligen Diener seiner Mutter sehen, "sobald ein Treffen vereinbart werden kann". Das wird jedoch in frühestens zwei Wochen erfolgen: Solange reist Burrell durch die USA. Auf Werbetour für sein Buch.



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