Royale Hochzeit in Bhutan Der Drachenkönig krönt seine Lotusblüte

Der Himalaja-Staat Bhutan hat eine neue Königin: Der 31-jährige Monarch heiratete seine große Liebe, die zehn Jahre jüngere Pilotentochter Jetsun Pema. Es war eine Zeremonie wie aus dem Märchen in einem der abgelegensten Länder der Erde.


Punakha - Der König trug eine Krone mit Rabenkopf darauf, die Mönche sangen, als er sich von seinem Thron erhob, um seine Königin in Empfang zu nehmen. Sie kam begleitet von Mönchen, Ministern und Angehörigen, das Gefolge wurde von einem weißen Pferd angeführt. Die Töne von langen Hörnern füllten das Tal, in dem sich die Klosterfestung Punakha befindet, rund 70 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Thimphu.

Es ist der heiligste Ort Bhutans, an dem die Hochzeitszeremonie stattfand. Rund 1500 Gäste waren geladen, das Fernsehen übertrug live. Den Zeitpunkt der Trauung um 8.20 Uhr am Morgen hatten Astrologen festgelegt.

Zwei Stunden dauerte die Zeremonie in den Gemäuern aus dem 17. Jahrhundert, in dem der Gründer Bhutans, Shabdrung Ngawang Namgyel, begraben liegt. Die rund 700.000 Einwohner des letzten Königreichs Südasiens hatten diesem Tag lange entgegengefiebert: Ihr hochangesehener König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, 31, heiratete die zehn Jahre jüngere Pilotentochter Jetsun Pema.

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Himalaya: Bhutan feiert sein neues Königspaar
Der höchste Geistliche Bhutans führte die Zeremonie durch, die der Reinigung des Paares dienen soll. Zu Beginn betrat der Bräutigam mit seinem Vater, dem früheren König, das Grab des Staatsgründers. Dort erhielten sie heilige Schals und einen Krug mit gesegnetem Nektar, der für ewiges Leben steht. Der ehemalige König überreichte die Schals und den Krug daraufhin seiner etwas nervös dreinblickenden Schwiegertochter. Begleitet wurde er dabei von seinen vier Frauen.

Kinder schrieben Glücksgedichte, Bänker führten Tänze auf

Jetsun Pema kniete dreimal vor ihrem Auserwählten nieder. Das Paar hielt dann mehrere Sekunden lang gemeinsam den Kelch, ehe der König von der Unsterblichkeit nippte. Damit war die Ehe geschlossen, der König setzte seiner Frau die Krone auf, Mönche sangen, spielten auf ihren Hörnern und trommelten.

Der König, der Ende 2008 den Thron von seinem Vater übernommen hatte, gilt als volksnah und bodenständig. Bereits im Mai hatte er seine Hochzeitspläne vor dem Parlament verkündet.

Bhutan ist eine konstitutionelle Monarchie. Wegen der oft heftigen Stürme wird es auch "Land des Donnerdrachens" genannt, das Oberhaupt "Drachenkönig". Die ehemalige britische Kolonie ist eines der abgelegensten und abgeschottetsten Länder der Welt.

Für den großen Tag hatten Kinder Glücksgedichte verfasst, eines nannte die Königin "den Mond, eine schöne Halbgöttin und Lotusblüte". Bankangestellte führten Freudentänze auf. In der Hauptstadt Thimphu fand eine Massenveranstaltung zu Ehren des Königspaares statt, überall hingen große Plakate, die das Paar zeigten. Internationale Gäste waren zu dem Fest nicht geladen.

Ab sofort fiebert Bhutan dem Nachwuchs entgegen

Der Bräutigam studierte im englischen Oxford, spielt Basketball und gilt als leidenschaftlicher Mountain-Biker und Elvis-Fan. Er ist der fünfte "Drachenkönig" und tritt in die Fußstapfen seines Vaters Jigme Singye Wangchuck. Die Monarchen reformieren ihr Land Schritt für Schritt, sie setzen dabei auf das " Bruttosozialglück" - eine Mischung aus nachhaltiger Entwicklung, geistigem Wohlergehen und kultureller Identität.

1974 durften erstmals Touristen einreisen, ihre Zahl wird bis heute begrenzt. Zur Feier seines 25-jährigen Thronjubiläums erlaubte der König seinem Volk 1999 Fernsehen und Internet. Zu seinem 48. Geburtstag im Jahr 2003 schenkte Jigme Singye Wangchuck seinen Untertanen ein Mobilfunknetz.

Der absolute Herrscher brachte seinem Land nicht nur soziale und wirtschaftliche Fortschritte, er leitete auch selbst den demokratischen Wandel ein und kündigte 2005 freie Wahlen an. Der damalige Kronprinz Jigme Khesar reiste durchs Land, um mit dem Volk über eine neue demokratische Verfassung zu diskutieren, die die Macht des Königs beschränkt. 2006 übergab der bisherige König die Regierungsgeschäfte an seinen Sohn.

Im März 2008 wurde nach Verabschiedung der Verfassung in Bhutan erstmals eine Nationalversammlung gewählt. Im November 2008 wurde Jigme Khesar feierlich gekrönt und kündigte als jüngstes Staatsoberhaupt der Welt weitere Reformschritte an.

Nach der Hochzeit wird das Land auf das nächste Highlight warten: die Geburt eines Erben.

bim/Reuters/dpa/AP



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