RTL-Dschungelcamp Schlimmer geht's immer

Kakerlaken lutschen allein reicht nicht: Das Treiben im RTL-Dschungelcamp offenbart eklatante dramaturgische Schwächen. Der C-Promi-Sippe fehlen Charaktere mit Biss, statt kurzweiligen Trash-Konsums bietet der Sender zähe Langeweile.


Köln/Brisbane - Man muss die RTL-Show "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" nicht für feinste TV-Unterhaltung halten - ein Label, das die abgebrühten Macher des Formats im Übrigen gar nicht anstreben. Eines jedoch sollte für das Trash-Dorado selbstverständlich gelten: Langeweile gibt's nicht. Doch genau die zog mit der gestrigen dritten Folge der Show ein.

In den ersten zwanzig Minuten geschah - gar nichts. Die irritierend schlecht vorbereiteten Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow, sonst mit ironischen Kommentaren Lichtblicke im Dschungeldickicht, brabbelten unkonzentriert Unsinn in Richtung Kamera.

Dramaturgisch versuchte man, aus der offensichtlichen Not eine Tugend zu machen: Man thematisierte die Langeweile im Camp. Ein Offenbarungseid. Unter den zehn Protagonisten herrscht - was insbesondere bei den älteren Herren im Team körperlicher wie geistiger Ermattung geschuldet sein mag - so etwas wie lähmende Harmonie.

Es gibt keine Konflikte, keine Streitigkeiten, keine Intrigen, keine Lästereien - das Salz in der Urwaldsuppe fehlt, das Gebräu schmeckt fad.

Und so bleibt den Kameras nichts, als den abgehalfterten TV-Spaßmacher Björn-Hergen Schimpf abzubilden, der sich zur Verrichtung der Notdurft aufmacht ("Hilfst du mir beim Pinkeln?"), den Urproleten DJ Tommek gänzlich unbekleidet - wahrlich kein schöner Anblick - bei der nächtlichen Körperpflege zu zeigen (Kommentar eines Co-Insassen: "Wenn du Pech hast, hat dich jetzt jeder nackt gesehen - außer ich") und draufzuhalten, wenn die Pop-Memme Ross wieder einmal in Tränen ausbricht ("Ich muss meine Unterhosen sogar drei Mal anziehen, und das hass' ich").

Dass sich letzterer in die Riege der Dschungel-Kandidaten einreihte, muss der Sender übrigens als Glücksfall betrachten. Der Ex-"Bro'Sis"-Barde bietet dem sozialdarwinistisch ausgerichteten TV-Konsumenten als einziger eine Reibungsfläche. Kein Wunder, dass die Zuschauer den memmenhaften Sänger, der seine Abneigung gegen jegliches Getier gern mit Heul-Attacken untermalt, nun schon zum zweiten Mal für eine sogenannte "Dschungelprüfung" nominierten. Die Lust an der Demütigung des Schwachen - zumindest dieses Konzept der Show geht auf.

"Schlimmer geht's immer" - so kündigte Moderator Bach die weiteren Entwicklungen im Camp an. Welch eine Fehleinschätzung.

pad



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