Streit um Ruderin Drygalla könnte bald Soldatin sein

Schneller als gedacht könnte Nadja Drygalla Sportsoldatin werden. Der Deutsche Ruderverband hat erneut einen Antrag auf Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr gestellt. Das Verteidigungsministerium will dies "in den nächsten Tagen" prüfen.
Ruderin Drygalla bei den Olympischen Spielen: In zwei Wochen Sportsoldatin?

Ruderin Drygalla bei den Olympischen Spielen: In zwei Wochen Sportsoldatin?

Foto: JIM YOUNG/ REUTERS

Hamburg - Der Deutsche Ruderverband (DRV) hat erneut beantragt, Nadja Drygalla in das Sportförderprogramm der Bundeswehr aufzunehmen. Das Verteidigungsministerium bestätigte dies und forderte seinerseits den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu einer Stellungnahme auf. Dann wolle man den Antrag des Ruderverbands prüfen. Das Ministerium rechne damit "in den nächsten Tagen", schreibt die Zeitung "Die Welt".

Sollte diese sportfachliche Bewertung positiv ausfallen, stünde einem Dienstantritt Drygallas zum 1. September nichts mehr im Wege. Die 23-Jährige sei bereits im Juli tauglich gemustert worden.

Der DOSB bestätigte die Anfrage des Verteidigungsministeriums. "Wir werden dies prüfen und das Ergebnis an das Ministerium weitergeben", sagte Sprecher Christian Klaue. Generaldirektor Michael Vesper sagte, dass man nun Zeit habe, "das alles in Ruhe zu klären". Eine Sportlerin könne nur nach dem beurteilt werden, was sie selber denke und nicht nach ihrem Umfeld. "Wenn sie weiter Sport machen will - und das hat sie erklärt - dann soll sie das tun können", betonte Vesper im NDR.

Die Ruderin war vor knapp zwei Wochen nach einem Gespräch mit der deutschen Teamleitung über ihre Beziehung mit dem ehemaligen NPD-Mann Michael Fischer vorzeitig von den Olympischen Spielen in London abgereist. Einen Tag zuvor hatte der DRV die Bundeswehr um eine Zurückstellung des Aufnahmeantrags gebeten. Daraufhin war der erstellte Bescheid zur Einberufung zurückgezogen worden.

Bis zum September 2011 war Drygalla Mitglied der Sportfördergruppe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern. Dann wurde ihre Beziehung zu Fischer im Innenministerium bekannt - Drygalla schied aus dem Polizeidienst aus, auf eigenen Wunsch, wie es offiziell heißt. Die Ruderin hat sich öffentlich deutlich von der rechten Szene distanziert.

Michael Fischer war im Vorjahr in Rostock als Direktkandidat der rechtsextremen NPD zur Landtagswahl angetreten. Die Rostocker Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Landfriedensbruch gegen ihn. Geprüft wird, ob Fischer Teil einer Gruppe war, die bei einer Gedenkveranstaltung für ein Opfer der NSU Polizisten angegriffen hat.

aar/dpa/dapd
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