Rücktritt von Tebartz-van Elst Ein Bistum atmet auf

Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht nach Limburg zurückkehren. An seiner alten Wirkungsstätte ist die Erleichterung groß. Das neue Personal bemüht sich, den Blick nach vorne zu wuchten. Die große Frage jetzt: Was wird aus dem protzigen Bischofssitz?

Von , Limburg


Limburg - Schon bevor der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe und Wolfgang Rösch den Saal betreten, ist eines klar: So voll wird es hier wohl nie wieder.

Grothe, vom Vatikan zum Apostolischen Administrator von Limburg bestellt, wird das wenig später so sagen: "Limburg wird in der Weltkirche in den nächsten Jahren einen bleibenden Namen haben." Als das Lachen verklingt, schiebt er nach: Er hoffe, dass das so bleibe, dann aber aus anderen Gründen. Wenn alles gutgeht, wird Limburg stattdessen bald wieder ein Ausflugsort irgendwo im Westerwald sein.

Denn an dem, wofür Limburg nun zu lange stand, litten die Stadt und die katholische Kirche ganz gehörig: Hybris, Reichtum, Herrschaft nach Gutsherrenart. Nicht, dass Grothe und sein Stellvertreter Rösch etwas sagen würden. "Erwarten Sie bitte nicht von mir, dass ich irgendwelche Urteile abgebe", sagt Grothe einleitend. Und verweist auf den Bericht der Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, an dem er maßgeblich beteiligt war, denn "der spricht für sich".

"Sehr froh, dass die Zeit des Wartens vorbei ist"

Interessant ist also weniger das, was die neue, auf Zeit installierte kirchliche Führungsriege in Limburg sagt, sondern das, was sie nicht sagt. Keine Urteile über das Gestern - außer, dass man froh sei, dass es nun weitergehen könne. "Versöhnung", sagt Grothe, "findet nur dann statt, wenn man freimütig miteinander spricht." Und Rösch ergänzt, nun sei es ein Ziel, Transparenz zu schaffen, auch innerhalb der Kirche, und einen "Klimawandel", so dass "niemand Angst hat, zu reden".

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Tebartz-van Elst: Der Bischof, der die Kirche erschütterte
So sagen sie doch etwas über das Gestern: Denn was heißt das anderes, als dass das Klima vorher eben so war? Dass niemand freimütig redete? Dass auch mancher Priester Angst hatte, den Mund aufzumachen? Dass keine Transparenz herrschte, sondern Entscheidungen zu sehr auf den Einen zentriert waren? Was der Bauskandal von Limburg verdeckt: Tebartz-van Elst scheiterte auch an seinem autokratischen, fast aristokratischen Führungs- und Kommunikationsstil.

Auch das führte zu einem Skandal, den Rösch freimütig als "Krise der Kirche" bezeichnet. Und an dem hätten nicht zuletzt auch die Gläubigen gelitten. Und nicht nur die: Grothe erzählt, wie überwältigend es gewesen sei, auf die Kirchenbediensteten zu treffen, die ihm mit so viel Freundlichkeit und Hoffnung begegnet seien. Grothe: "Ich habe das Gefühl, dass man im Bistum Limburg sehr froh ist, dass die Zeit des Wartens vorbei ist."

Das Warten: Gemeint ist das Machtwort, das Ende, der Schlussstrich unter die Ära Tebartz-van Elst. Aber es klingt, als hätte man auf Erlösung gewartet.

Jetzt dankt man dem gegangenen Bischof, zollt ihm öffentlich Respekt auch dafür, "dass er schon im Oktober seinen Rücktritt angeboten hat", sagt Grothe. Tatsächlich?, fragt da einer: "Ist das nicht erfunden?"

"Auch ich habe erst heute morgen davon erfahren", antwortet Grothe, "als uns das vom Vatikan so mitgeteilt wurde."

"Wir sind nur froh", flüstert eine Angestellte des Bistums, "dass das alles vorbei ist."

"Ein Gebäude, das sich sehen lassen kann"

Erst ganz zum Ende wird Grothe noch einmal deutlich. Im Grunde habe es schon 2004 angefangen, dass "nicht die Wahrheit gesagt wurde", als "man ein Haus bauen wollte, von dem man spürte, dass man es öffentlich nicht würde vertreten können". Dann kam Tebartz-van Elst, der Tatsachen schuf: Es war der Beginn einer Phase, in der die große Verschleierung begann. An der trage aber nicht der abgesetzte Bischof allein Schuld. Auch andere, wie die Mitglieder des Verwaltungsrats, seien ihren Aufgaben nicht so nachgekommen, "wie es das Statut vorgesehen hätte". Und auch auf Bistumsebene hätte es Möglichkeiten der Kontrolle geben sollen.

Gab es aber nicht, weil dieses Bistum wie ein Fürstentum geführt wurde. Das ist der Punkt, an dem man die möglicherweise nachwirkende Relevanz der Affäre Tebartz-van Elst spürt. "Wir wären ja dumm", sagt Wolfgang Rösch, der das Bistum seit Oktober kommissarisch leitete und dies im Auftrag Grothes auch weiter tun wird, "wenn wir aus all dem nicht gelernt hätten".

Wieder sagt er "Klimawandel", und meint den innerkirchlichen. Mit Tebartz-van Elst scheiterte auch ein bestimmter Typus Bischof, ein Leitungsstil, auch eine ideologische Richtung. Jetzt werden die Karten neu gemischt, und die neuen Herren wissen, dass sie anders agieren müssen, wenn sie den Schaden wieder gutmachen wollen.

Was mit dem Bischofssitz nun geschehen solle, diesem Stein gewordenen Anstoß, werden die Geistlichen auf dem Podium gefragt. Das sei, wenn man einmal die Umstände der Entstehung außen vor lasse, "ja ein Gebäude, das sich sehen lassen kann", sagt Grothe. Und da das ja nun einmal Diözesanzentrum heiße, ergänzt Rösch, könne er sich vorstellen, dass man es auch als so etwas nutze. Als Ort des Bistums, der Gemeinde, "vielleicht nutzen wir es kulturell".

Das wäre wirklich neu in Limburg: Bisher war der Komplex eine Trutzburg.

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
flitzpane 26.03.2014
1. Ich atme auch auf...
Mir war nie klar, wieso dieses Thema eine solche Aufmerksamkeit verdient hatte (scher schön dazu: http://wp.me/p14g2B-pL) Damit ist es dann ja endgültig mal vorbei, nu hatt die liebe Seele Ruh. Der Mann hat viel Geld ausgegeben, und es war im weitesten Sinne sogar "sein Geld", wer wurde denn wirklich geschädigt? Zudem ging es an Handwerker und Unternehmen aus der Region, ein echtes Konjunkturprogramm. Ganz ehrlich, da wird an jedem Sitzungstag im Bundestag mehr Schaden für mehr Menschen angerichtet...
lalip13 26.03.2014
2. 2004 sagte man also schon nicht die Wahrheit...
und Tebartz van Elst kam erst 2008. Wer log denn da nun die ersten vier Jahre ganz und gar 'Tebart-frei'?! Und sagte dem neuen Bischof irgendjemand mal die Wahrheit? Oder mußte der arme Kerl nicht glauben, was man ihm sagte?
jorgos 26.03.2014
3. Wie im Weltlichen...
Zitat von sysopDPAFranz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht nach Limburg zurückkehren. An seiner alten Wirkungsstätte ist die Erleichterung groß. Das neue Personal bemüht sich, den Blick nach vorne zu wuchten. Die große Frage jetzt: Was wird aus dem protzigen Bischofssitz? http://www.spiegel.de/panorama/ruecktritt-von-tebartz-van-elst-erleichterung-im-bistum-limburg-a-960961.html
Der Typ hat doch genau das getan, was unsere Politiker auch machen: Am Anfang klein rechnen, was bei ehrlichen Kalkulationen nie und nimmer durchgehen würde. Und dann aber so richtig auf die K... hauen. Ist ja nicht das eigene Geld. Und wenn der Kasten dann erstmal bis zu einem gewissen Teil fertig ist, grinst man sich an und sagt: Na, nu müssen wir das auch fertigstellen. Und lacht sich eins - das eigene Denkmal ist gebaut. Elbphilharmonie, Flughafen Berlin, Berliner Stadtschloss, Stuttgart 21...........
buchstabenfink 26.03.2014
4.
Da ist ja dann ab jetzt der Weg für T-vE frei, den vakanten Kölner Bischofstuhl seines Förderers Meißner zu besetzen. In Köln stehen ihm auch noch mehr Protzmittel zur Verfügung als im armen Limburg. Die echten Kölner Katholiken und die Kabarettisten werden gleichermaßen erfreut sein. In Köln gibt es bestimmt noch viel zu bauen. Davon träumte T-vE bestimmt schon lange. Merke: Wenn beim Träumen der Franz-Peter steh! sagt, ja dann steht er, so ein Prachtbau einer Residenz. Von wegen Impotenz!
Kontra 26.03.2014
5. Wenn schon denn schon
Zitat von jorgosDer Typ hat doch genau das getan, was unsere Politiker auch machen: Am Anfang klein rechnen, was bei ehrlichen Kalkulationen nie und nimmer durchgehen würde. Und dann aber so richtig auf die K... hauen. Ist ja nicht das eigene Geld. Und wenn der Kasten dann erstmal bis zu einem gewissen Teil fertig ist, grinst man sich an und sagt: Na, nu müssen wir das auch fertigstellen. Und lacht sich eins - das eigene Denkmal ist gebaut. Elbphilharmonie, Flughafen Berlin, Berliner Stadtschloss, Stuttgart 21...........
Die Kirche, ist mit den Abgaben der kleinen Sünderlein noch * NIE * bescheiden umgegangen. Man schaue sich mal die Prunkbauten im Vatikan an. Dagegen waren die repräsentativen Feudalbauten der Adligen oft asoziale Behausungen. Das gilt sowohl für die Kirchen als auch für die Bischhofsresidenzen.
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