Rückzieher RTL überdenkt "unmoralisches Angebot"

Nach dem Vorwurf der Zuhälterei wird Rainer W. nun doch nicht live auf RTL seine Frau für eine Sex-Nacht an einen anderen Mann verkaufen. Stattdessen wird das "unmoralische Angebot" aufgezeichnet und Rechtsexperten vorgelegt, bevor es gesendet wird.


Moderatorin Bärbel Schäfer
DPA

Moderatorin Bärbel Schäfer

Hamburg - Unter dem Druck der Medienwächter ist der Privatsender eingeknickt: Die für Mittwoch geplante Live-Talkshow "Bärbel, für Geld würde ich alles tun" wird zwar nicht vollständig abgesagt, aber zumindest zensiert.

Die für die Aufsicht von RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt für privaten Rundfunk (NLM) hatte den Sender am Dienstag gewarnt, dem arbeitslosen Frührentner die Gelegenheit zu geben, eine Sex-Nacht mit seiner Frau für eine Million Mark feilzubieten. Dem Kölner Privatsender sei mitgeteilt worden, dass die Sendung unter Jugendschutzgesichtspunkten problematisch sei, teilte die NLM mit. Auch die Menschenwürde werde verletzt. Bei etwaigen Rechtsverstößen droht RTL ein Bußgeld in Höhe von bis zu 500.000 Mark.

RTL zeigt sich zuversichtlich. "Wir sind überzeugt, dass sowohl Moderatorin Bärbel Schäfer als auch ihr Redaktionsteam mit diesem schwierigen Thema äußerst sensibel umgehen und keinerlei Verstöße gegen den Jugendschutz noch gegen sonstige Rechtsgrundsätze geben wird", sagte der verantwortliche Redakteur Lars-Uwe Höltich.

"Uns geht es um eine kritische Auseinandersetzung auch mit der moralischen Komponente eines solchen Gedankens", meinte Bärbel Schäfer. "Über die wollen wir diskutieren und gemeinsam mit den Gästen nach Lösungen suchen."

Die Idee basiert auf dem Hollywood-Film "Ein unmoralisches Angebot", in dem der Schauspieler Robert Redford eine Million Dollar für eine Nacht mit Schauspielerin Demi Moore bezahlt. Rainer W. hat angeblich 70.000 Mark Schulden.

Scharfe Kritik an der Sendung übte Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD). "Es ist verboten, die Menschenwürde im Fernsehen zu verletzen und Zuhälterei zu betreiben", sagte sie. Die Ministerpräsidentin appellierte an die Zuschauer, durch Einschalt-Boykott auszudrücken, dass diese Art von Quotenfang nicht funktioniere. Auch die werbetreibende Wirtschaft sollte solche Beiträge nicht durch Kauf von Werbeminuten im Umfeld solcher Sendungen honorieren.

Für Mittwoch hat RTL nun ein anderes, bereits aufgezeichnetes Thema ins Programm genommen. Der Titel: "Mit Dir schlafen? Da vergeht mir die Lust".



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