Russland Behörden melden viele Vermisste bei Fährunglück

Auf der Wolga ist ein Passagierschiff bei einem Unwetter havariert. Mehr als 180 Personen sollen an Bord der "Bulgarien" gewesen sein, doch die Opferzahlen gehen durcheinander - und werden immer weiter nach oben korrigiert.

DPA

Moskau - Wie viele Menschen an Bord der "Bulgarien" waren, ist auch Stunden nach dem Unglück noch immer unklar. Und auch die Zahl der Geretteten schwankt. Der Zivilschutz nannte am Sonntagabend nach einer Krisensitzung die Zahl von 105 Vermissten. Andere Agenturen sprachen von 111 Vermissten.

Ein geretteter Passagier berichtete nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax von vielen Toten, unter ihnen auch Kinder. Offiziell bestätigt wurde nur, dass eine Frau bei dem Unglück ums Leben kam. Am Nachmittag hieß es, ein anderes Schiff namens "Arabella" habe etwa 80 Menschen gerettet.

Die etwa 60 Jahre alte "Bulgarien" war nahe Sjukejewo, etwa 80 Kilometer von Kasan entfernt, gesunken. Kasan ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan.

"Der Kapitän hätte wissen müssen, dass das Wetter keine Kreuzfahrten erlaubt", sagte der Sprecher der örtlichen Zivilschutzbehörde, Michail Turkow, nach Angaben der Agentur Interfax. Überlebende berichteten, alles sei rasend schnell gegangen. Das Schiff habe sich auf die Seite gelegt und sei binnen drei Minuten untergegangen.

"Im Fall eines Unfalls sinken solche Schiffe innerhalb von Minuten"

Präsident Dmitri Medwedew ordnete einen Großeinsatz von Rettungskräften an. Das Zivilschutzministerium schickte ein Rettungsflugzeug mit Sondereinsatzkräften sowie Tauchern in die Region. Die Generalstaatsanwaltschaft entsandte Sonderermittler. Nach ersten Erkenntnissen könnte eine Verkettung unglücklicher Umstände zu dem Unglück geführt haben: das Unwetter, das hohe Alter des Schiffs sowie unzureichende Sicherheitsvorkehrungen an Bord, hieß es.

Die "Bulgarien" war nach Augenzeugenberichten bei schlechtem Wetter havariert, wie der Radiosender "Echo Moskwy" berichtete. Demnach sank das Schiff mit zwei Decks innerhalb weniger Minuten rund drei Kilometer vom Ufer entfernt. An der Unglücksstelle ist die Wolga den Angaben zufolge etwa 20 Meter tief.

Zur genauen Unglücksursache machten die Behörden zunächst keine Angaben. Es wurde allerdings ein Verfahren wegen Verstoßes gegen Sicherheitsvorschriften eingeleitet. Möglicherweise waren zu viele Menschen an Bord. Demnach reisten auf der "Bulgarien" 148 Touristen sowie 40 Besatzungsmitglieder einschließlich Bordbedienung.

Eine Sprecherin des Katastrophenschutzministeriums sprach hingegen von 135 Passagieren und 47 Besatzungsmitgliedern. In ersten Meldungen war von 173 Menschen an Bord die Rede.

Tourismusexperte Dmitri Woropajew, Chef der Samra Travel Company, sagte der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die "Bulgarien" habe zu wenige abschottbare Abteile gehabt. "Im Fall eines Unfalls sinken diese Schiffe innerhalb von Minuten."

han/dpa/dapd



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