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Waldbrand-Katastrophe: Rauch über Russland

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Russland Brände erreichen von Tschernobyl verseuchte Gebiete

Die Wald- und Torfbrände in Russland haben die von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl verseuchten Gebiete erreicht. Umweltschützer sind sich sicher, dass mit dem Rauch radioaktive Partikel aufsteigen, die sich über weite Flächen ausbreiten - mit unbekannten Folgen.

Moskau - In der westrussischen Region Brjansk standen am 6. August Hunderte Hektar in Brand, bestätigte jetzt der russische Waldkontrolldienst auf seiner Internetseite. "Es gibt Karten, auf denen die radioaktive Verschmutzung zu sehen ist, und es gibt Karten, auf denen die Feuer zu sehen sind. Wenn man diese Karten aufeinanderlegt, wird jedem klar, dass es in radioaktiven Gebieten brennt", schrieb die Behörde. Auch in anderen Regionen mit radioaktiver Strahlung habe es gebrannt, etwa in der Gegend von Tscheljabinsk am Ural, hieß es.

Die Region Brjansk im Westen Russlands grenzt an die Ukraine und Weißrussland. Im April 1986 wurde sie durch die radioaktive Wolke aus dem Atommeiler Tschernobyl erheblich verseucht. Der Minister für Zivilschutz Sergej Schoigu hatte bereits in der vergangenen Woche davor gewarnt, dass es zu einer Ausbreitung radioaktiver Partikel kommen könne.

Auf Satellitenfotos seien 20 Brände in radioaktiv verseuchten Gebieten zu sehen, teilte das russische Greenpeace-Büro in Moskau am Dienstag mit. Davon seien allein drei Feuer in dem besonders stark betroffenen Gebiet Brjansk registriert worden. "Ein Feuer auf diesem Terrain führt ohne Zweifel zu einer Erhöhung der Radioaktivität", sagte Wladimir Tschuprow von der Umweltschutzorganisation. Demnach würde der Rauch aufsteigen und mit ihm eine radioaktive Spur, deren Ausbreitung vom herrschenden Wind abhänge. Welcher Art die drohenden gesundheitlichen Schäden einer solchen Verseuchung sein könnten, kann bisher nur erahnt werden.

Greenpeace warf den Behörden vor, die Bevölkerung über die radioaktive Gefahr infolge der wohl schlimmsten Brände der russischen Geschichte im Unklaren zu lassen. Die Aktivisten widersprachen der Darstellung von Russlands oberstem Amtsarzt Gennadi Onischtschenko, der Entwarnung gegeben hatte.

Sowohl die atomare Wiederaufbereitungsanlage Majak am Ural sowie das Gebiet um Brjansk zählen wegen der Verstrahlung infolge der Atomkatastrophen 1957 beziehungsweise 1986 zu den gefährlichsten der Welt.

USA warnen vor Reisen nach Russland

Noch immer bekommen die Rettungskräfte die verheerenden Waldbrände nicht in den Griff. Innerhalb eines Tages seien 290 neue Feuer ausgebrochen, teilte das Zivilschutzministerium in Moskau am Mittwoch laut Angaben der Agentur Interfax mit. Allerdings seien auch mehr als 300 Brände gelöscht worden. Insgesamt zählte das Ministerium landesweit noch immer 600 Feuer.

In Moskau hat sich die Lage vorübergehend entspannt, der giftige Qualm von den Torfbränden rund um die Metropole verzog sich vorerst. Allerdings lodern noch immer zahlreiche Feuer in der Nähe der Hauptstadt. Meteorologen warnen daher, dass sich die Situation in den kommenden Tagen erneut verschlimmern könnte.

Das US-Außenministerium warnte angesichts der Wald- und Torfbrände vor Reisen nach Russland. Mitarbeitern der US-Botschaft in Moskau, die nicht unbedingt gebraucht werden, und ihren Familien sei die Abreise erlaubt worden, teilte das Außenministerium in Washington mit.

Infolge der seit Wochen andauernden Rekordhitze haben sich viele Lebensmittel um 15 bis 20 Prozent verteuert, wie die Regierungszeitung "Rossiskaja Gaseta" am Mittwoch berichtete. Die Inflation könne bis zum Jahresende auch deswegen deutlich höher ausfallen als die von der Regierung erwarteten sechs bis sieben Prozent.

ala/dpa/AFP
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