Russland Entführter Bus gestürmt

In der südrussischen Stadt Mineralnyje Wody haben Sicherheitskräfte den von zwei schwer bewaffneten Tschetschenen gekaperten Bus gestürmt. Die Kidnapper hatten am Morgen 41 Menschen in ihre Gewalt gebracht.


Die Geiselnehmer hatten den Bus im Nordkaukasus in ihre Gewalt gebracht
DPA

Die Geiselnehmer hatten den Bus im Nordkaukasus in ihre Gewalt gebracht

Moskau - Ein Geiselnehmer sei getötet, eine Geisel verletzt worden, meldeten russische Fernsehsender am Dienstagabend. Die Entführer hatten den Bus mit 41 Passagieren in ihre Gewalt gebracht, um nach Angaben von Innenminister Boris Grislow tschetschenische Rebellen freizupressen. Grislow sagte in Nowosibirsk, sie hätten die Freilassung von Rebellen, die wegen der Entführung eines russischen Hubschraubers im Jahr 1994 im Gefängnis säßen, verlangt. Nachrichtenagenturen zufolge forderten sie auch automatische Gewehre vom Typ Kalaschnikow, Granatwerfer, Munition und einen Hubschrauber. Der Minister hatte schon am Nachmittag ausgeschlossen, dass Zugeständnisse an die Entführer gemacht würden.

Die Entführer hatten den Bus am Morgen bei Newinnomissk rund 1500 Kilometer südlich von Moskau überfallen und waren zum Flughafen in Mineralnyje Wody gefahren. Auf halber Strecke stoppte die Polizei den Bus bei der Ortschaft Kursawka. Die Straße sei mit Lastwagen blockiert worden, um den Bus an der Weiterfahrt zu hindern, sagte ein Polizeisprecher. Anschließend habe der Bus seine Fahrt fortsetzen dürfen und sei zu einer Stelle außerhalb des Flughafens bei Mineralnyje Wody gelangt. Fernsehbilder zeigten, wie gepanzerte Fahrzeuge vorfuhren. Sicherheitskräfte bewegten sich durch das hohe Gras und bezogen Position.

Itar-Tass meldete unter Berufung auf Sicherheitskreise, ein Entführer sei ein Tschetschene namens Sultan-Said Idijew, ein ehemaliger Häftling.

In Südrussland ist es im Zuge des Tschetschenien-Konflikts wiederholt zu Geiselnahmen gekommen. Allein 1994 brachten bewaffnete Geiselnehmer in drei Fällen Menschen in ihre Gewalt und versuchten, per Hubschrauber mit dem erpressten Lösegeld nach Tschetschenien zu entkommen. Bei einer Geiselnahme wurden vier Geiseln getötet.

Seit 21 Monaten führen russische Sicherheitskräfte einen Feldzug gegen tschetschenische Rebellen. Die Guerilla-Kämpfer haben sich in die Berge im Süden der Kaukasus-Republik zurückgezogen. Von dort aus kämpfen sie für die Unabhängigkeit Tschetscheniens.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.