Gasexplosion in Magnitogorsk Einsatzkräfte bergen mehr als 20 Leichen

Eine gewaltige Detonation beschädigte im russischen Magnitogorsk einen Wohnblock schwer. Einsatzkräfte arbeiten sich langsam durch die Trümmer - und stoßen noch immer auf Tote.

Unglücksort in Magnitogorsk
REUTERS

Unglücksort in Magnitogorsk


Zwei Tage nach der verheerenden Gasexplosion in einem Plattenbau in Russland ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 21 gestiegen. Die Rettungskräfte hätten weitere Leichen aus dem Trümmern des teilweise eingestürzten Gebäudes in der Industriestadt Magnitogorsk im Ural geborgen, teilte das Katastrophenschutzministerium mit.

Die Rettungskräfte setzen demzufolge bei Temperaturen von minus 27 Grad die Suche nach 20 Vermissten fort. Insgesamt konnten bis Dienstag sechs Menschen gerettet werden, darunter zwei Kinder. Zuletzt hatten sie in kurzer Zeit viele Leichen geborgen. Am Neujahrstag war es Einsatzkräften jedoch gelungen, ein Baby lebend aus den Trümmern zu bergen.

Der kleine Wanja hatte laut Gouverneur Boris Dubrowski die Nacht bei eisigen Temperaturen überlebt, "weil er in einer Wiege lag und warm eingewickelt war". Das Kind erlitt demnach schwere Erfrierungen, eine Kopfverletzung und mehrfache Beinbrüche, sein Zustand sei aber stabil.

Die Explosion gegen vier Uhr am Silvestertag hatte einen kompletten Aufgang eines großen Wohnblocks aus Sowjetzeiten zusammenstürzen lassen. Die Behörden zogen Rettungskräfte, Gerät und Hundestaffeln aus weiten Teilen Sibiriens sowie aus Moskau in Magnitogorsk zusammen. Die Industriestadt liegt am Ural etwa 1400 Kilometer östlich der Hauptstadt.

Warum genau es zu dem Unglück kam, ist bislang unklar. Der Chef des russischen Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, sagte im russischen Fernsehen, die Gasvorrichtungen in dem eingestürzten Wohnblock seien über Monate hinweg nicht mehr kontrolliert worden.

Zerstörtes Haus in Magnitogorsk
AP

Zerstörtes Haus in Magnitogorsk

Die Ermittler fanden in den Trümmern eigenen Angaben zufolge keine Spuren, die auf einen Sprengstoffanschlag hindeuten könnten. Sie reagierten damit auf entsprechende Gerüchte in sozialen Netzwerken, nachdem am Dienstag in Magnitogorsk bei der Explosion eines Kleinbusses drei Menschen gestorben waren. Die Behörden versicherten, ein undichter Gastank habe die Detonation ausgelöst. Es gebe auch keinen Zusammenhang zwischen den beiden Unglücken.

In dem 1973 errichteten Plattenbau hatten 1100 Menschen gewohnt. 35 Wohnungen wurden bei der mutmaßlichen Gasexplosion zerstört, zehn weitere beschädigt. Staatspräsident Wladimir Putin war am Montag nach Magnitogorsk gereist, um mit Überlebenden und Helfern zu sprechen. Gouverneur Dubrowski rief für Mittwoch einen Trauertag in der Region aus.

In Russland kommt es immer wieder zu Gasexplosionen. Zahlreiche Gebäude stammen noch aus der Sowjetzeit und sind in schlechtem Zustand; vielfach werden zudem Sicherheitsregeln nicht eingehalten.

mxw/AFP



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