Konsequenz nach Säureanschlag Kulturminister entlässt Bolschoi-Chef

Seit dem Säureanschlag auf den Ballettchef des Bolschoi-Theaters kommt das Haus nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Nun hat der russische Kulturminister eingegriffen - und überraschend den Generaldirektor Anatoli Iksanow gefeuert.

DPA

Moskau - Nach zahlreichen Skandalen am legendären Moskauer Bolschoi-Theater hat der russische Kulturminister Wladimir Medinski überraschend den Generaldirektor Anatoli Iksanow, 61, entlassen. Er hatte das wichtigste Opern- und Balletthaus des Landes seit 2000 geleitet.

Sein Nachfolger werde Wladimir Urin, teilte Medinski russischen Agenturen zufolge mit. Der 66-Jährige war bisher Generaldirektor am Moskauer Akademischen Stanislawski-Musiktheater. Er gilt als international angesehener Experte und Theatermanager.

Das Bolschoi kommt seit einem Säureanschlag auf den Ballettchef Sergej Filin nicht zur Ruhe, nach dem Attentat verließen mehrere Tänzer das Opern- und Balletthaus. Ein vermummter Angreifer hatte Filin am 17. Januar mit Schwefelsäure Augen und Kopf verätzt. Der Ballettchef wird derzeit in Aachen behandelt. Nach Angaben seiner Anwältin nahm Filin die Nachricht vom Führungswechsel ruhig, aber mit Verwunderung auf.

Der umjubelte Startänzer des Theaters, Pawel Dmitritschenko, soll der Drahtzieher des Attentats gewesen sein, Jurij Saruzki hat die Tat offenbar durchgeführt. Als Motiv nannte die Polizei eine persönliche Feindschaft.

Der neue Generaldirektor Urin forderte das Ensemble zur Einheit und engen Zusammenarbeit auf. "Ich plane keine Revolution und verstehe sehr gut, dass in diesem Theater, wie in jedem anderem, ein Mensch allein nichts tun kann", sagte Urin der Agentur Interfax zufolge.

Kulturminister Medinski überrascht die russische Öffentlichkeit seit Anfang Juli mit immer neuen Personalien. So entband er die 91 Jahre alte Leiterin des Moskauer Puschkin-Kunstmuseums, Irina Antonowa, von ihrem Posten. Auch der Direktor des russischen Polytechnischen Museums musste gehen.

aar/dpa



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