Russland Leichen und Marschflugkörper aus der "Kursk" gebracht

Aus dem Wrack des russischen Atom-U-Boots "Kursk" haben Marinespezialisten 45 Leichen geborgen. Auch die ersten Marschflugkörper, deren Funktionsweise steng geheim ist, wurden entfernt.


Auf dem Atom-U-Boot "Kursk" lagern streng geheime Waffen
AP

Auf dem Atom-U-Boot "Kursk" lagern streng geheime Waffen

Moskau - Die Demontage der ersten drei von insgesamt 22 Raketentorpedos verlaufe ohne Probleme, teilte die russische Nordflotte nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass mit. Von den zuletzt geborgenen 45 Leichen seien bereits 18 identifiziert worden, hieß es. Bereits im vergangenen Herbst waren zwölf Opfer aus der "Kursk" geborgen worden. Keiner der 118 Mann Besatzung hatte das Unglück überlebt.

Noch am Montag sollten die identifizierten Leichen von zehn Besatzungsmitgliedern in die südrussische Stadt Kursk, nach Sewastopol auf der Krim und in andere Heimatstädte der Opfer geflogen werden. Die Beerdigungen sind für die kommenden Tage geplant. Die Angehörigen der getöteten Seeleute hatten Präsident Wladimir Putin unmittelbar nach dem Untergang der "Kursk" das Versprechen abgerungen, das U-Boot heben zu lassen, um die Toten in heimischer Erde begraben zu können.

Die beiden schweren Explosionen an Bord, die zum Untergang der ursprünglich 18.000 Tonnen schweren "Kursk" führten, hätten auch einige der Raketenschächte auf der linken Seiten des U-Boots leicht beschädigt, teilte die Nordflotte mit. Die als streng geheim geltenden Marschflugkörper, Raketentorpedos vom Typ "Granit" (Nato-Bezeichnung: SS-N19 Shipwreck), sind jeweils 10,5 Meter lang und knapp sieben Tonnen schwer. Im Ernstfall sollten sie zur Versenkung vor allem von feindlichen Flugzeugträgern eingesetzt werden.

Gerichtsmediziner setzten ihre Suche nach weiteren Leichen unter anderem in den Mannschaftsunterkünften, der Reaktorsektion, der Turbinenkammer sowie im Antriebsraum fort. In Fernsehbildern glich das Innere der im vorderen Teil aufgetrennten "Kursk" einem riesigen Schrotthaufen.

Bereits im vergangenen Herbst hatten russische und norwegische Spezialtaucher ein Dutzend Opfer vom Grund der Barentssee aus dem Wrack geholt. Die Gesamtzahl der geborgenen Leichen beträgt damit inzwischen 57. Ein Großteil der noch nicht entdeckten Besatzungsmitglieder dürfte durch die Explosionen im Bugteil bis zur Unkenntlichkeit entstellt oder auch vollständig verbrannt sein.

Nach erfolgreich beendeter Arbeit verließ das Dockschiff "Giant-4" die Bucht vor Murmansk in Richtung Norwegen. Der Kommandeur der russischen Nordflotte, Wjatscheslaw Popow, lobte zum Abschied die "Professionalität und Ausdauer" der ausländischen Taucher und Techniker. Die niederländischen Firmen "Mammoet" und "Smit International" hatten Anfang Oktober nach mehrmonatiger Vorarbeit das Wrack der "Kursk" aus 108 Meter Tiefe gehoben und in die Kola-Bucht vor Murmansk bugsiert.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.