Ritual in Osteuropa Bibbern für die Erlösung

Das eisige Wasser soll sie von ihren Sünden befreien: Millionen Orthodoxe in Osteuropa wagten bei Minusgraden den Sprung ins Kalte. Doch der kirchliche Brauch kann gefährlich werden.
In die zugefrorenen Seen werden Löcher geschnitten, damit die Orthodoxen das eiskalte Nass erreichen

In die zugefrorenen Seen werden Löcher geschnitten, damit die Orthodoxen das eiskalte Nass erreichen

Foto: Maxim Shemetov / REUTERS

Millionen Menschen haben in Belarus, Russland und der Ukraine mit einem Sprung ins kalte Wasser das traditionelle Eisbaden eingeläutet. Die Gläubigen der russisch-orthodoxen Kirche wollen sich so von ihren Sünden reinigen. Anlass dafür ist der am Mittwoch gefeierte Dreikönigstag, mit dem an die Taufe Jesu erinnert wird.

Russlands Staatschef Wladimir Putin verzichtete dieses Mal auf die Tradition. Im vergangenen Jahr tauchte er noch kurz im eisig kalten Wasser unter. Kremlsprecher Dmitri Peskow begründete Putins Fehlen laut der Agentur Interfax mit der Coronapandemie.

Das Wasser soll die Gläubigen von ihren Sünden befreien

Das Wasser soll die Gläubigen von ihren Sünden befreien

Foto: Sergei Ilnitsky / EPA

Auch in Russland steigen die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Virus rasant an. Kirchenvertreter in Russland hatten deshalb vor Ansteckungen beim Baden gewarnt.

Allein in der Metropole Moskau gab es 30 Badestellen bei Temperaturen von bis zu minus zehn Grad. Im Westen der Hauptstadt bildeten sich am Vormittag bei Sonnenschein Warteschlangen vor einem eingeschlagenen Loch auf einem zugefrorenen See.

Einige Gläubige sprangen mit Geschrei ins Wasser, tauchten dreimal unter, bekreuzigten sich und beteten für sich und ihre Nächsten.

Allein in Russland tauchten etwa zwei Millionen Orthodoxe ins eiskalte Wasser

Allein in Russland tauchten etwa zwei Millionen Orthodoxe ins eiskalte Wasser

Foto: Maksim Blinov / SNA / IMAGO

Sicherheitskräfte und Sanitäter standen an den Gewässern bereit. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Todesfälle gegeben.

Rund zwei Millionen Menschen nehmen allein in Russland jedes Jahr ein Eisbad, meldete die Staatsagentur Ria Nowosti. Auch in den Nachbarländern Belarus und Ukraine ist die Tradition verbreitet.

sah/dpa