Ordensfrau Deutsche Lepra-Ärztin Ruth Pfau in Pakistan gestorben

Sie wurde "Mutter der Leprakranken" genannt: Im Alter von 87 Jahren ist die Ordensfrau und Ärztin Ruth Pfau gestorben. Pakistans Präsident nannte ihren Tod einen großen Verlust für das Land.

Ruth Pfau (Archiv)
DPA/ Jörg-Henning Meyer/DAHW

Ruth Pfau (Archiv)


In Pakistan ist die deutsche Lepra-Ärztin und Ordensfrau Ruth Pfau verstorben. Sie sei um kurz nach Mitternacht in einem Krankenhaus in Karatschi friedlich eingeschlafen, teilte eine Mitarbeiterin des von Pfau gegründeten Hilfswerks mit.

Ruth Pfau wurde 87 Jahre alt. Der pakistanische Präsident Mamnoon Hussain sagte in einer Trauerbotschaft, ihr Tod sei ein großer Verlust für Pakistan.

Pfau, die 1929 in Leipzig zur Welt gekommen war und später unter anderem in Köln und Bonn studiert hatte, war 1960 nach Pakistan gekommen. Sie war eigentlich auf dem Weg nach Indien, wo sie für ihren Orden als Frauenärztin arbeiten sollte, blieb aber wegen Visaproblemen in Karatschi hängen. Dort traf sie in einem Armenviertel zum ersten Mal Menschen, die an Lepra litten - eine chronische Infektionskrankheit, die Haut und Nerven angreift.

Mehr als 50.000 Leprakranke seien dank ihrer Arbeit geheilt worden, heißt es auf der Webseite der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW). Pfau, die auch "Mutter der Leprakranken" genannt wurde, erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Bundesverdienstkreuz, den Albert-Schweizer-Preis und den Medienpreis Bambi als "Stille Heldin".

"Ein neues Leben geschenkt"

1988 wurde sie in Pakistan auch zur Ehrenbürgerin und nationalen Beraterin für Leprafragen im Rang einer Staatssekretärin ernannt. Bis zu ihrem Tod setzte sie sich für Menschenrechte, Völkerverständigung sowie die Achtung aller Religionen ein.

DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg würdigte Pfaus Arbeit und ihr Vermächtnis. Sie habe Tausenden von Lepra gezeichneten und aus der Gesellschaft ausgegrenzten Menschen mit ihrer medizinischen und sozialen Hilfe "ein neues Leben geschenkt".

An Lepra erkranken jedes Jahr weltweit zwischen 220.000 und 250.000 Menschen, vorwiegend in den tropischen und subtropischen Ländern. Lepra wird durch Mycobacterium leprae hervorgerufen. Nach einer Inkubationszeit von neun Monaten bis zu maximal 20 Jahren können verschiedene klinische Symptome auftreten.

Sie umfassen Hauterscheinungen und Nervenschädigungen, die zu Sensibilitätsstörungen und Lähmungen führen können. Viele Betroffene werden aufgrund dieser sichtbaren Krankheitszeichen sozial ausgegrenzt.


Anmerkung: Wir haben das Jahr korrigiert, in dem Pfau zur pakistanischen Ehrenbürgerin ernannt wurde.

wit/dpa/AFP

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