NS-Vergleich Chef der Sächsischen Gedenkstätten freigestellt

Siegfried Reiprich legt sein Amt als Gedenkstätten-Chef in Sachsen nieder. Er hatte die Krawalle von Stuttgart als "Bundeskristallnacht" bezeichnet - und nach Kritik seine Suspendierung erbeten.
Reiprich im Jahr 2008: "Klar dem Sinn der Gedenkstättenarbeit" widersprochen

Reiprich im Jahr 2008: "Klar dem Sinn der Gedenkstättenarbeit" widersprochen

Foto: Franka Bruns/ AP

Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten stellt ihren umstrittenen Geschäftsführer Siegfried Reiprich "mit sofortiger Wirkung unwiderruflich" frei. Der Stiftungsrat missbilligte in einer nicht öffentlichen Sondersitzung in Dresden dessen Äußerungen auf Twitter. Diese widersprächen "klar dem Sinn der Gedenkstättenarbeit", sagte Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) als Vorsitzende des Gremiums.

Reiprichs Aufgaben übernimmt vorerst sein Stellvertreter Sven Riesel, eine Kommission soll einen Nachfolger bestimmen.

Der 65-jährige Reiprich hatte auf Twitter die Krawalle in Stuttgart mit dem NS-Pogrom 1938 verglichen: "War da nun eine Bundeskristallnacht oder 'nur' ein südwestdeutsches Scherbennächtle?" Das sorgte bundesweit für Empörung.

"Es war eine ironische Frage, die auch gefährlich provozierend war."

Siegfried Reiprich

Als "Reichskristallnacht" waren in der Zeit des Nationalsozialismus die organisierten Übergriffe gegen jüdische Menschen am 9. November 1938 bezeichnet worden, heutzutage werden diese Ereignisse meist als Reichspogromnacht bezeichnet. Landtagsabgeordnete von SPD, Linken und Grünen hatten von Reiprich wegen seines NS-Vergleichs einen zeitnahen Rücktritt gefordert.

Zwar hatte sich Reiprich nach der Kritik von dem Tweet distanziert und gesagt, seine Aussage sei "ungeschickt und ein Fehler" gewesen. "Es war eine ironische Frage, die auch gefährlich provozierend war. Ich würde es so nicht mehr schreiben."

Er hatte den Grund über die Empörung aber nicht nur bei ihm selbst gesehen. "Ich habe unterschätzt, wie groß das Erregungspotenzial und Skandalisierungsbedürfnis ist und wie intolerant das Meinungsklima", sagte er. "Mich in die neurechte Ecke zu stellen, ist absurd."

Reiprich scheidet nun Ende November aus

Laut Klepsch erging der Beschluss zur Freistellung Reiprichs einstimmig. Zugleich wurde Reiprichs Antrag auf vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses aus gesundheitlichen Gründen Ende November stattgegeben. Bis dahin laufen seine Bezüge den Angaben zufolge weiter. Der Stiftungsrat dankte dem 65-Jährigen für seine Verdienste und zehnjährige Tätigkeit.

In den vergangenen Jahren war die Stiftung in Sachsen wiederholt wegen ihm in die Schlagzeilen geraten. Opferverbände monierten, dass sie sich mehr um die Verbrechen der DDR-Diktatur als um die NS-Zeit kümmere. Zuletzt war Reiprich immer mehr unter Druck geraten, es hatte mehrere Rücktrittsforderungen gegeben.

kko/dpa
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