Sahara-Entführung Ex-Mann von toter Geisel kritisiert Bundesregierung

Nach dem Hitzetod der Sahara-Geisel Michaela Spitzer hat deren Ex-Ehemann schwere Vorwürfe gegen deutsche Politiker erhoben. Er glaubt, dass der Tod seiner Frau vermeidbar gewesen wäre.


Michaela Spitzner gehörte zu der Gruppe von zehn deutschen Geiseln
AP/SPIEGEL ONLINE

Michaela Spitzner gehörte zu der Gruppe von zehn deutschen Geiseln

Hamburg - "Die Michaela und alle anderen Geiseln hätten längst gerettet werden können, doch die Politiker im Außenministerium haben in den letzten Monaten zu viele Chancen verpasst", sagte Karl-Heinz Spitzer der "Bild am Sonntag".

In der Hand der Geiselnehmer befinden sich gegenwärtig noch neun Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer. Das Drama in der Wüste Algeriens hatte vor mehr als fünf Monaten begonnen. Inzwischen wurden die Geiseln von ihren Entführern in das Nachbarland Mali verschleppt. Nach Fernsehberichten fordern die Entführer für die Freilassung der Touristen ein Millionen-Lösegeld.

"Die deutschen Verhandlungsführer haben offenbar viel zu oft klein beigegeben, statt massiven Druck auf die algerische Regierung auszuüben", sagte Spitzer. Offenbar um die guten Beziehungen zu Algerien nicht aufs Spiel zu setzen, hätten sich Politiker und Beamte unterwürfig verhalten.

Nach von der Deutschen Botschaft in Mali übermittelten Fax-Kopien ist Michaela Spitzer bereits am 28. Juni in Folge eines Hitzschlags gestorben. "Sie ist eines natürlichen Todes gestorben, ohne zu leiden, wobei die ganze Gruppe anwesend war und sie beerdigt hat", heißt es in dem Schreiben, das laut "Bild" alle Geiseln unterzeichnet haben.

"Das Grab in der Wüste ist mit Steinen markiert", sagte Karl-Heinz Spitzer aus Augsburg. "Eines Tages werden wir Michaela heimholen und auf unserem Friedhof beisetzen."



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