Löschunfall Hier nimmt die Straße ein Schaumbad

Eine technische Fehlfunktion lässt einen Straßenzug im kalifornischen San José aussehen wie im Wintermärchen - bei Temperaturen um die 20 Grad. Tatsächlich hat Löschschaum die Gegend meterhoch überflutet.

Patrick Tehan/ Bay Area News Group/ AP

Einen solchen Anblick ist man im meist warmen kalifornischen San José nicht gewöhnt: Am Freitagvormittag sah es in einem Straßenzug vor dem Flughafen der Stadt plötzlich nach Wintereinbruch aus.

Eine dicke weiße Decke bedeckte Straßen und Autos meterhoch. Doch hatte es weder einen Kälteeinbruch gegeben, noch waren irgendwo Kunstschneekanonen aufgebaut. Stattdessen schob sich eine Flut von Löschschaum durch die Straßen.

Die Anwohner nahmen es gelassen, teils mit Freude auf. "Sieht wie Winter aus, wie Weihnachten", sagte ein Passant dem TV-Sender "NBC". Ein anderer fragte Polizisten, wann denn wohl der Weihnachtsmann komme und bekam die Antwort: "Sie haben ihn gerade verpasst." Ein Frau schwärmte, sie möge es besonders, wenn der Wind den Schaum erfasst: "Das sieht aus wie Wellen."

Tatsächlich aber war die weiße Pracht offenbar auf eine technische Fehlfunktion zurückzuführen. In einem Hangar am San José Mineta International Airport, mitten im Silicon Valley, habe es wohl eine Fehlfunktion des Feuerlöschsystems gegeben, erklärte Feuerwehrchef Mitch Matlow.

Die automatischen Löschanlagen in diesen Hangers sind dafür ausgelegt, die Gebäude minutenschnell mit Schaum zu fluten.

Was nun der Grund dafür ist, dass die Anlage in dem fraglichen Hangar ausgelöst wurde, könne man bisher nicht untersuchen. Weil der Schaum in dem Gebäude drei Meter hoch stehe, habe bisher niemand dorthinein vordringen können.

Doch vor dem Gebäude und auf den Straßen drumherum fanden sich schnell Schaulustige und Kamerateams der lokalen Fernsehsender ein. Deren Mitarbeiter machten nicht nur brav ihre Aufsager von den TV-Kameras, sondern twitterten auch eigene kurze Videos von der merkwürdigen Szenerie in Netz. So wie "ABC"-Reporter Jonathan Bloom:

Andere wiederum nutzen die Schaumfluten als Spielwiese. So wie Blake Harrington, der mit seinem Fahrrad durch den Schaum radelte. Eine kurze Tour, die zwar sicher Spaß gemacht hat, aber durchaus mit Gesundheitsrisiken verbunden sein könnte. Das Konzentrat, aus dem der Löschschaum hergestellt wird, sei kanzerogen und könne in seiner verdünnten Form Hautreizungen auslösen, sagt Feuerwehrchef Matlow. Zumindest in die Augen solle man es lieber nicht kommen lassen.

Reporter Dennis Romero vom Magazin "LA Weekly" wiederum nutzte die Gelegenheit, um einen politischen Witz loszuwerden, der auf Donald Trumps Wahlspruch "Let's make America great again" abzielte:

Lange soll das Schauspiel aber nicht mehr andauern. Am Freitag rückten bereits mehrere Reinigungsfirmen an, die den Schaum möglichst schnell beseitigen sollen. Denn fürs Wochenende werden in der Gegend Regenfälle erwartet. Die kann das unter chronischer Wasserknappheit leidende Kalifornien zwar gut gebrauchen. Doch wird befürchtet, das Regenwasser könnte den mit Schadstoffen belasteten Schaum - vermutlich über die Kanalisation oder einen nahegelegenen Fluss - in die Bucht von San Francisco spülen.

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Flughafen von San José: Weiße Pracht bei 20 Grad

mak



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