San-José-Minutenprotokoll Das war der Tag der Rettung

2. Teil: 20 Kumpel sind an der Oberfläche


+++ 21.00 Uhr +++ Jetzt ist es geschafft: Darío Segovia ist als 20. Kumpel an der Oberfläche. Der 48-Jährige arbeitet seit seinem achten Lebensjahr in Minen. Nun empfangen ihn seine 13 Brüder an der Oberfläche. Seine Schwester hält den Moment, in dem die Kapsel in der Öffnung des Rettungsschachtes erscheint, mit einer Kamera fest.


+++ 20.55 Uhr +++ Die Kapsel hat die Höhle der Eingeschlossenen bereits wieder verlassen. An Bord ist Darío Segovia. Auch bei ihm scheint alles problemlos zu laufen.


+++ 20.46 Uhr +++ Lob für die bislang so erfolgreich verlaufende Rettungsaktion kommt auch von der US-Raumfahrtbehörde. Nasa-Chef Charles Bolden beglückwünscht alle Beteiligten, warnte aber auch vor allzu großer Euphorie. "Den Rettern steht noch viel harte Arbeit bevor", sagt er. Die Nasa hat die chilenischen Behörden während der zweimonatigen Gefangenschaft der Kumpels beraten.


+++ 20.29 Uhr +++ Auch Pablo Rojas ist in Sicherheit. Die Helfer schnallen ihn aus der Kapsel. Er winkt und klatscht in die Runde. Anschließend fällt er seinem Sohn Michael in die Arme. Damit befinden sich jetzt nur noch 14 Bergleute unter Tage.


+++ 20.09 Uhr +++ Der 19. Bergmann hat die Rettungskapsel bestiegen. Es ist Pablo Rojas, ein Cousin des vor ihm geretteten Esteban.


+++ 19.49 Uhr +++ Und schon wieder ein kleiner Moment der Romantik in der chilenischen Atacama-Wüste. Mit Esteban Rojas ist der 18. Minenarbeiter sicher ans Tageslicht befördert worden. Auch er sank auf die Knie und sprach ein Gebet. Danach fiel im seine Frau in die Arme, die ihn mit einem Madonnenbild erwartet hatte. Rojas hatte versprochen, nach seiner glücklichen Rettung die kirchliche Trauung nachzuholen. Das Paar ist seit 25 Jahren verheiratet.


+++ 19.33 Uhr +++ Auch Barack Obama hat ein paar Minuten Zeit gefunden, die Rettung in Chile im Fernsehen zu verfolgen. Der US-Präsident habe die Aktion als "immens inspirierend" empfunden, es sei eine "Geschichte mit einem Happy End", sagte Sprecher Robert Gibbs. Seinen Worten zufolge seien Obama besonders die Wiedersehens-Szenen zwischen Vätern und Kindern ans Herz gegangen.


+++ 19.28 Uhr +++ Chiles Bergbauminister Laurence Golborne bestätigt auf einer Pressekonferenz, dass die Rettungsaktion deutlich schneller vorangeht als erwartet. Die Phoenix-Kapsel habe sich als widerstandsfähig erwiesen und bislang keine Schäden davongetragen. Inzwischen sind mehr als 15 Stunden seit Beginn der Bergung verstrichen. Laut Golborne wird damit gerechnet, die letzten Bergleute innerhalb der nächsten sechs Stunden ans Tageslicht zu befördern.


+++ 19.13 Uhr +++ Es geht weiter: Die Phoenix 2 senkt sich erneut in die Tiefe hinab. Als nächster soll der 44 Jahre alte Esteban Rojas gerettet werden.


+++ 18.56 Uhr +++ Es scheint Probleme an der Rettungskapsel zu geben. Arbeiter machen sich an der Phoenix zu schaffen, überprüfen die Stabilität der Verankerung. Insbesondere an der Tür wird heftig geschraubt. Es ist nicht klar, ob es sich um reguläre Wartungsarbeiten handelt oder ob tatsächlich ein Problem aufgetreten ist. Jedenfalls dauert der Stopp deutlich länger als bisher.


+++ 18.39 Uhr +++ Der 56-jährige Omar Reygadas entsteigt der Rettungskapsel. Damit ist die Zahl der Geretteten erstmals größer als die der Verschütteten. Reygadas wurde von seinem Bruder erwartet, der die Rettung mit einer Videokamera dokumentierte. Kaum zu fassen: Der Minenarbeiter war zuvor schon drei Mal unter Tage verschüttet. Nach seiner Rettung fiel er auf die Knie und sprach mit der Bibel in der Hand ein Gebet.


+++ 18.34 Uhr +++ Mit Daniel Herrera ist der letzte aus der Gruppe derjenigen Kumpel, die durch die Zeit unter Tage die größten körperlichen oder psychischen Probleme hatten, gerettet worden. Am Anfang waren die geistig Fittesten aus dem Stollen geholt worden, zuletzt kommen die körperlich stärksten Bergleute heraus.


+++ 18.19 Uhr +++ Wenn man es so nennen darf, ist so etwas wie Halbzeit bei der spektakulären Rettungsaktion in der Atacama-Wüste. 16 Kumpel sind bereits aus ihrem unterirdischen Gefängnis befreit worden. 17 harren noch in rund 622 Meter Tiefe aus - gemeinsam mit fünf Rettungskräften, die ihren Einstieg in die Phoenix-Rettungskapsel beaufsichtigen.


+++ 17.59 Uhr +++ Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat seinen chilenischen Amtskollegen Sebastián Piñera zum bisherigen Verlauf der Rettungsaktion in der San-José-Mine beglückwünscht. "Alle sind stolz darauf, was in Chile passiert", sagte Lula in einem Telefongespräch mit Piñera. Er sprach von einer außerordentlichen Arbeit der Rettungskräfte.
+++ 17.51 Uhr +++ Minenarbeiter Nummer 16 hat es geschafft. Daniel Herrera fällt seiner weinenden Mutter in die Arme. Er war als Lastwagenfahrer eingesetzt, als die Mine einstürzte. Während der 69-tägigen Gefangenschaft hat er unter Anleitung als eine Art medizinischer Assistent seine 32 Kameraden betreut.


+++ 17.42 Uhr +++ Ein fünfter Retter hat sich in der Phoenix-Kapsel auf den Weg in die Tiefe gemacht. Patricio Sepulveda ist ein speziell ausgebildeter Polizeioffizier. Gemeinsam mit dem bereits zu Beginn eingefahrenen Rettungsquartett unterzieht er jedem Minenarbeiter einem speziellen Gesundheitscheck, bevor der die Fahrt ans Tageslicht antreten darf.


+++ 17.09 Uhr +++ Schulterklopfen für Victor Segovia, als er die Phoenix-Kapsel verlässt. Der 48-jährige hat jeden einzelnen Tag der Gefangenschaft unter Tage protokolliert. Seine Aufzeichnungen waren für die Helfer an der Oberfläche extrem wichtig, weil sie so über den Zustand der Mine und die emotionale Verfassung der eingeschlossenen Arbeiter informiert waren. Seit 30 Jahren ist der Vater von fünf Kindern im Bergbau tätig.


+++ 16.28 Uhr +++ Als 14. Bergmann hat es Víctor Zamora an die Oberfläche geschafft. Seine Frau Jessica und sein kleiner Sohn hatten Tränen der Rührung in den Augen. In ein paar Monaten wird das Glück der Familie noch ein wenig größer sein. Ein kleines Töchterchen ist unterwegs - es soll den Namen Paz Victoria erhalten.

+++ 16.24 Uhr +++ Die Retter sind ihrem Zeitplan weit voraus. Alle zwei Stunden werden drei Bergleute ans Tageslicht gebracht. Laut des chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera könnte die Rettung aller 33 Bergleute damit bereits in etwa acht Stunden beendet sein - weit früher als erwartet.

+++ 16.12 Uhr +++ In so einem Moment ist selbst die tiefste Feindschaft vergessen: Boliviens Staatspräsident Evo Morales dankte den Chilenen für die bislang perfekt organisierte Rettung. "Dieses Ereignis hat uns einander näher gebracht."

+++ 16.10 Uhr +++ Victor Zamora ist der nächste auf der Liste. Er ist mit dem gerade geretteten Carlos Barrios gut befreundet. Die beiden haben bereits in mehreren Minen zusammengearbeitet, ihre Familien haben ein Zelt im Camp der Hoffnung geteilt.


+++ 15.56 Uhr +++ Carlos Barrios, einer der Schichtleiter, klettert aus der Rettungskapsel. Er fällt seinem Vater Antenor in die Arme und umarmt jeden einzelnen seiner Retter. Auf der Trage, auf der er in den Medizincontainer gebracht wird, winkt er fröhlich in die Menge. Es scheint, als ob er das 69 Tage währende Martyrium unter Tage gut überstanden hat.


+++ 15.11 Uhr +++ Jetzt ist auch Edison Peña wieder im Tageslicht, der zwölfte Kumpel. Der Mittdreißiger ist der Sportbegeisterte in der Gruppe. Er legte täglich fünf bis zehn Kilometer laufend in den Gängen der Mine zurück. Ein Hunderte Meter langer unzerstörter Tunnel diente als Laufstrecke. Es warten nun noch 21 Bergleute in der Tiefe auf ihre Rettung.

+++ 15.07 Uhr +++ Peña gehörte unter den Verschütteten zu denen, die sich mit der Gefangenschaft unter Tage besonders schwer taten. "Ich will frei sein", schrieb er an seine Frau, "ich will die Sonne sehen."

+++ 15.00 Uhr +++ Weiter geht's: Kumpel Edison Peña ist der nächste auf der Liste der Rettungskräfte.


+++ 14.35 Uhr +++ Jetzt sind elf Kumpel oben, 22 noch in der Mine. Jorge Galleguillos hatte vor dem Unglück im August bereits zwei Unfälle unter Tage überstanden. Der leidenschaftliche Musiker hatte darum gebeten, dass man ihm eine Gitarre in die Mine herunterlassen solle - was wegen der Enge des Schachts nicht möglich war.

+++ 14.15 Uhr +++ Im grellen Scheinwerferlicht unter Tage steigt der nächste Kumpel in die Kapsel. Jorge Galleguillos leidet an Bluthochdruck. Seit seinem 15. Lebensjahr arbeitet er als Bergmann. Einer seiner Brüder kommentierte seine glückliche Rettung mit dem Spruch "Einer für alle, alle für einen."


+++ 14.08 Uhr +++ Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist erleichtert über den glatten Verlauf der Rettungsarbeiten. "Wir sind sehr froh, dass das bisher so reibungslos gelingt und dass auch jeder der bisher Geretteten in so offensichtlich zufriedenstellendem Gesundheitszustand ist", sagte ihr Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. "Unsere Gedanken und unsere guten Wünsche sind bei den Chilenen - bis zu dem Moment, wo der letzte gerettet ist."

insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
Sapientia 13.10.2010
1. Lächerlich!
Zitat von sysopDer Countdown läuft: In der chilenischen Mine San José sollen*bald die ersten der 33 verschütteten Bergleute*nach oben*geholt werden -*die letzten Vorbereitungen an der Rettungskapsel laufen. Verfolgen Sie das Geschehen im Liveticker*von SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,722772,00.html
diese Berichterstattungshysterie. Früher war man froh, die Kumpel gefunden zu haben und hat sie rausgeholt, jetzt rennen Tausende von Journalisten mit Schaum vorm Mund durch die Gegend und die Kumpels sitzen immer noch da unten - eine widerliche Entwicklung.
Monark, 13.10.2010
2. *
Zitat von sysopDer Countdown läuft: In der chilenischen Mine San José sollen*bald die ersten der 33 verschütteten Bergleute*nach oben*geholt werden -*die letzten Vorbereitungen an der Rettungskapsel laufen. Verfolgen Sie das Geschehen im Liveticker*von SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,722772,00.html
Den Rettungskräften und den Eingeschlossenen*alles Gute*. Ich frage mich nur, ob der Sysop*wohl unter Hyperasteriskose*leidet. Der Sinn*der Sternchenverteilung*erschließt sich mir nicht*so ganz...
Gordons 13.10.2010
3. Glück
Das einzige was mir einfällt: Glück auf! Ich glaube das ist der Spruch für Bergleute...
Joerg grimm 13.10.2010
4. Jubel
Zitat von sysopDer Countdown läuft: In der chilenischen Mine San José sollen*bald die ersten der 33 verschütteten Bergleute*nach oben*geholt werden -*die letzten Vorbereitungen an der Rettungskapsel laufen. Verfolgen Sie das Geschehen im Liveticker*von SPIEGEL ONLINE. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,722772,00.html
Thread von der Realitaet ueberholt. Erster Kumpel ist draussen...
hr_schmeiss 13.10.2010
5. ...schön für die Bergleute!
Noch schöner für den Spon, mit Liveticker und dutzenden von Artikeln. Wir sind gerettet? Wir sind Bergleut? Wir sind Loch? Gut für das deutsche verlängerte Sommerloch, hier gibts ja sonst nix zu berichten. Oder?
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